Die Seriale 2017 – 3rd IndieSeriesFestival Giessen

betr.: 1. Festivaltag / Aktuelle Lage der unabhängigen Webserie

seriale 2017

Perspektive im Rückbau

In ihrem 3. Jahr ist aus dem ersten deutschen „IndieSerienFestival“ ein „IndieSeriesFestival“ geworden: die Seriale in Gießen hat sich internationalen Beiträgen geöffnet. Zu sehen sind „pilots and episodes“ „aus 15 Ländern“, nach Möglichkeit mit englischen Untertiteln. Der Zeitpunkt dafür ist gut gewählt, denn der deutschsprachige Output schwindet: vieles wurde nicht fortgeführt (hatte eben keine Folgen) oder wird erst später fertig als geplant, weniger neue Formate sind hinzugekommen. Einige Unternehmungen endeten als rein studentischer Ulk. Und selbst von dem, was aus unserer Heimat auf der Seriale zu sehen ist, ist nur wenig tatsächlich im Netz zu finden.
Viele Beiträge aus den letzten Jahren, darunter „Positive Sinking“, „Deichbullen“ und „2 Aliens“ (der „St. George Herald“ berichtete*) sind noch nicht online, weil sich die Macher in Verhandlungen mit linearen Anbietern oder anderen Distributoren befinden (- in zähen und in der Regel aussichtslosen Verhandlungen, der Qualität des Materials zum Trotz). Dieses Jahr ist es nicht anders.
Die Veröffentlichung der heute präsentierten germanischen Mystery „Spessart Shorts“ ist erst in zwei Jahren geplant, der Vorjahrespreisträger „Discocalypse“*, morgen mit neuen Folgen wieder im Wettbewerb, wird in den nächsten Wochen in Lateinamerika, Frankreich und Italien über Subscription-Video-on-Demand angeboten, aber eben nicht für alle im www. Ein Großteil der attraktiveren deutschen Produktionen ist internationalen Festivalbesuchern vorbehalten.

Von einem solchen Festival brachte Dennis Albrecht, Mitbegründer der Seriale und Autor-Regisseur von „Filmstadt“, eine Geschichte mit, die das andere Extrem beschreibt.
„Bei uns in China“, erzählte ihm ein Kollege, „gibt es gar keine No-Budget-Serien wie bei euch. Jedes Projekt muss vorher genehmigt werden und wird im Erfolgsfall auch staatlich gefördert.“
Das ist freilich das Gegenteil von Indie. Immerhin bekommen dort alle Schauspieler eine Gage. Sie nach deutschem Muster gratis vor die Kamera locken zu wollen, wäre vollkommen aussichtslos.
Der kluge Mittelweg zwischen der brotlosen deutschen und der Orwell-Version aus China wird in Frankreich beschritten.
Das dortige Fernsehen sieht in den freien klein- und nichtbudgetierten Laboratorien eine Talentschmiede, die behutsam gefördert und freilich auch geködert wird (siehe „Bertrand“). Das ist eine faire Sache, denn so wird die traurige deutsche Regel verhindert, dass mit IndieFilmerei auch langfristig kein Umsatz zu machen sei. Wenn sich das bei uns nicht schnellstens ändert, werden sich die Serien aus Deutschen Landen, die noch vor kurzer Zeit zu so hoffnungsvoller Neugier berechtigten, bald erledigt haben.

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* Siehe dazu http://blog.montyarnold.de/?s=Deichbullen, http://blog.montyarnold.de/2016/06/04/die-seriale-2016-2-indieserienfestival-giessen-2/

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