Meister unter sich

betr.: 91. Geburtstag von Loriot

Zu Lebzeiten Vicco von Bülows habe ich gut 150 kleine und große Zeitungsartikel über ihn gesammelt, und in allen stand praktisch dasselbe drin, z.B. dass eine „Nudel“ aus seiner Herstellung existiert und wie feinsinnig der Humor des Meisters sei (bei seinen Zeichnungen wurde stets die „spitze Feder“ gerühmt). Ich glaube, damit war auch den übrigen Lesern jeweils nichts Neues gesagt. Gerade weil Loriot selbst so vielen ein Vorbild ist, finde ich es erhellend und angemessen, einmal seine Vorbilder zu würdigen.

Loriot
Seinen Sprachwitz hat er – wie er selbst immer wieder andeutete – am Werk Thomas Manns geschliffen, den er 1982 auch vor der Kamera verkörperte. (Auf dem „einzigen Tonfilm eines deutschen Dichters vor 1933“ sieht Thomas Mann übrigens wirklich aus wie Loriot, und zwar ganz genauso.)
Die Kunst des virtuosen Selbstgesprächs seiner Zeichentrickfilme ist ganz besonders stark von den Radio-Sketchen Heino Jaegers inspiriert. (Wie Loriot hat auch Jaeger in Hamburg bei Alfred Mahlau Malerei und Grafik studiert.) Loriot über Jaeger: „Wie konnte es geschehen, dass Heino Jaeger 25 Jahre ein Geheimtip blieb? Wir haben ihn wohl nicht verdient!“.
Loriots Körpersprache, die Choreographie seiner Malheurs, besonders in den stummen Momenten („Zimmerverwüstung“…), orientieren sich am Vorbild des französischen Filmemachers Jacques Tati*, sein Zeichenstil schließlich an dem von Karl Arnold, einem der legendären „Simplicissimus“-Karikaturisten.
Einmal mehr erweist sich: „Willst du wissen, wer der Mann, dann schau dir seinen Umgang an!“

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* Am 6. Januar 2015 präzisierte Henner Löffler in der „F.A.Z.“ diesen Eindruck und legte noch eine weitere Quelle offen, die über bloße Inspiration weit hinausgeht: Loriots berühmter „Astronautensketch“ basiert ungenannterweise auf einem „Tiefseetaucher-Sketch“, den Löffler in der Autobiographie von John Cleese „So, Anyway …“ (Random House, 9.10.2014) gefunden hat.

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