Eine Abkürzung zum Jazz (6): Der Bebop (1940 – 1955)

betr.: Neuere Musikgeschichte / Gesellschaft und Kultur

Diese Serie basiert auf meinem Unterricht „Musicalgeschichte“°.

Während der zuletzt behandelte Swing noch in voller Blüte steht (und beim weißen Publikum zu einem sehr einträglichen Geschäft avanciert), stößt er bei vielen jungen schwarzen Jazzern zunehmend auf Ablehnung. Der „echte“ Jazz ist in Gefahr und muß auf seine schwarzen Ursprünge zurückgeführt werden – um den Preis seiner Gefälligkeit. Nach einem regulären Arbeitstag in der Big Band kommen einige der Musiker in kleinen Jazzkellern und –lokalen zusammen, um in „Jam-Sessions“ zu experimentieren. Es entsteht ein der neuer, verwirrender (und schwer zugänglicher) Sound. Er ist dermaßen hektisch, nervös und destruktiv, dass viele Rundfunksender – aber auch Plattenlabels – eine jahrelange Boykotthaltung einnehmen. Das Ziel ist erreicht: die breite Masse ist verschreckt. Die in Folge (5) beschriebene Wandlung des Jazz vom volkstümlichen Sound zur musikalischen Nische wird dadurch besiegelt. (Mitte der 50er Jahre bereitet der Siegeszug des Rock’n‘Roll den Boden sowohl für die Beat-Welle der 60er Jahre als auch für sie Singer-Songwriter-Bewegung.)BOP

Die Bigband – ein zutiefst kostspieliges Ensemble – schrumpft wieder zur solistisch besetzten Combo: üblicherweise bestehend aus Saxophon Trompete, Klavier, Bass und Schlagzeug. Das Spiel ist durch ein Unisono von Saxophon und Trompete bestimmt, das Klavier steuert synkopierte Stützakkorde bei. Das Schlagzeug hat seine Funktion als Beat-Instrument weitgehend an den Baß abgegeben und konzentriert sich zumeist auf stimulierende Gegenakzente. Das wahrhaft Neue aber ist die ausgetüftelte Harmonik, die mit übermäßigen und verminderten Akkorden aufwartet und zu bisher unbekannten Harmoniefortschreibungen führt. Das Wort „Bebop“ ist Lautmalerei und beschreibt die fallende verminderte Quinte.
PIC
1945 stellt Charlie Parker seine erste eigene Band zusammen, in der die späteren Legenden Miles Davis und Dizzy Gillespie (der mit den dicken Backen und dem Knick in der Trompete) spielen. Dieses Quartett und seine Zeitgenossen legen die heute klassischen Bebop-Aufnahmen vor.

(Fortsetzung folgt)

° Hierbei war mir „Das Jazzbuch“ von Joachim-Ernst Berendt eine große Hilfe.

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