Der Dritte Mann von der Tankstelle

betr.: 59. Todestag von Oskar Karlweis

Sogar in der Kunst ist das Leben ungerecht.
Brad Dexter ist immer der letzte der „Glorreichen Sieben“, an den sich ein befragter Partygast beim Smalltalk erinnert – wenn überhaupt. Kein Nicht-Fachmann kennt den Namen Ub Iwerks, dabei hat der die erste Mickymaus gezeichnet.
Ein bißchen ist es auch so mit Oskar Karlweis, der auf dem oft abgebildeten Standphoto aus der Tonfilmoperette „Die Drei von der Tankstelle“ zwischen zwei größeren Namen sitzt: Willy Fritsch, der zum Zeitpunkt der Kinopremiere 1930 größte männliche Star des Films, und Heinz Rühmann – unmittelbar danach der ultimative deutsche Filmstar überhaupt, wenn man die Dauer seines Ruhmes mit berücksichtigt.
Das paßt letztlich ganz gut ins Bild: Oskar Karlweis mußte sich schon bald nach diesem Hit auf die Flucht begeben, zunächst zurück nach Wien, wo er am Theater in der Josefstadt an seine früheren Erfolge anknüpfen konnte.
Nach dem „Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich“ floh er mit seinem Kabarett-Bühnenpartner Karl Farkas über die Schweiz nach Paris, zwei Jahre später mit Friedrich Torberg über Spanien und Portugal in die USA. Torberg, der zu den wichtigen österreichischen Chronisten dieser bewegten Jahre gehört, erklärte später, er hätte nicht gewußt, wie er „über diese trost- und hoffnungslose Zeit hinweggekommen wäre ohne den tröstlichen und hoffnungsfrohen Humor, den Oscar (sic!) Karlweis ausstrahlte.“

Immerhin: in Amerika ist Karlweis gut gelandet, was nicht allen Emigranten vergönnt war. Am Broadway wurde er für die Titelrolle des jüdischen Flüchtlings in „Jakobowsky und der Oberst“ gefeiert (in deren filmischer Umsetzung dann allerdings Danny Kaye glänzen durfte). Er blieb als Schauspieler bis zu seinem frühen Herztod mit 61 im Geschäft. Er spielte nach dem Krieg wieder in Wien, Berlin und am Broadway Theater und drehte bis zuletzt in Europa und in den USA (- sein letzter Film ist das in seinem Todesjahr herausgekommene Musical „Viva Las Vegas“ mit Dan Dailey und Cyd Charisse).

So gesehen hat Oskar Karlweis seinen Mit-Tankwart Heinz Rühmann überflügelt, denn der hat bekanntlich in Hollywood nur einen Gastauftritt absolvieren dürfen: in „Das Narrenschiff“ von Stanley Kramer. Darin spielt diese Stütze der großdeutschen Filmindustrie einen jüdischen Flüchtling, dem der kleinlaut-bescheidene Rühmann-Stil natürlich ausgezeichnet steht. Regisseur Kramer ist schlichtweg auf ihn hereingefallen. In seiner Autobiographie findet sich eine aufschlußreiche historische Stilblüte: „I soon learned that Ruehmann, who had been against Hitler from the start and suffered under him, nevertheless felt a degree of war guilt simply because he was german. When I told him there was a German Jew in the picture but that I hadn’t yet been able to cast the role, he said immediately, ‚I’m your man.’“*

Wir wissen nicht, ob Oskar Karlweis privat ein ähnlich großer Schauspieler gewesen ist.

 

* „Ich erfuhr bald, dass Rühmann, der von Anfang an gegen Hitler gewesen war und unter ihm gelitten hatte, sich dennoch ein Stück weit am Krieg mitschuldig fühlte – einfach, weil er Deutscher war. Als ich ihm sagte, es gäbe die Figur eines deutschen Juden in meinem Film, für die ich noch keine Besetzung gefunden hätte, sagte er sofort: ‚Ich bin Ihr Mann!’“

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