Der Song des Tages: „Bonjour Tristesse“

betr.: 88. Geburtstag von Juliette Gréco

Ein Freund erzählte mir von seiner Jugend als russischer Zirkusartist und den Ursprüngen seiner Liebe zu Frankreich. Es war Anfang der 60er Jahre. Auf der Titelseite von „Paris Match“ war eine überaus schöne Frau (Juliette Gréco) in verbindlicher Begleitung eines ausnehmend häßlichen Mannes (Jean-Paul Sartre) zu sehen. Nun denn, so seine Überlegung: wenn so etwas in Paris möglich ist, dann ist das die Stadt für mich!

In der Literaturverfilmung „Bonjour Tristesse“ (1957) spielt sich die französische Chanson-Nationalheldin Juliette Gréco selbst. Sie trägt in der Rahmenhandlung der Geschichte in einem Nachtclub den Titelsong vor (Musik: Georges Auric, Text: Jacques Datin / Henri Lemarchand). Das Lied ist in den inneren Monolog der Heldin eingebettet, die darin preisgibt, wovon der Film, das Buch und das Lied handeln: grenzenlose Leere in einem sorglosen Leben:

Ach, Jacques, mein guter Jacques. Er wird sich doch nicht in mich verliebt haben, der Ärmste?!?
Nach dem Rennen wird er mich zum Abendessen einladen und danach zum Tanzen und am Donnerstag zum Tennistournier und am Sonntag auf’s Land.
Eine solche Zeitverschwendung, lieber Jacques.
Eine so hoffnungslose Zeitverschwendung!
Er sieht gut aus, und er ist nett. Und ich würde ihn gerne warnen.
Aber er würde es nicht begreifen. Ich kann nichts von dem empfinden, was er sich wahrscheinlich wünscht …”

Wie wir heute wissen, sollte diese Art von Kummer das anhaltende Lebensthema der Autorin Françoise Sagan bleiben, die mit ihrem Erstling „Bonjour Tristesse“ berühmt wurde.
Im Lied der Gréco –
der englische Text stammt von Arthur Laurents, dem Librettisten der „West Side Story“ – heißt es dann auch passenderweise:

I live with melancholy
My friend is vague distress
I wake up every morning
And say, "Bonjour tristesse".

The street I walk is sadness
My house has no address
The letters that I write me
Begin "Bonjour tristesse".
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