Das wichtigste Musikstück des 20. Jahrhunderts

betr.: 91. Geburtstag der „Rhapsody In Blue“

Der o.g. Superlativ klingt ziemlich verwegen und sogar etwas unverfroren, aber ich halte ihn für unumstößlich: hätte es 1924 nicht George Gershwins „Rhapsody In Blue“ gegeben, hätte sich die Musik im 20. Jahrhundert völlig anders entwickelt, die Musik der Konzertsäle ebenso wie die des Films und des Theaters (also des Musicals) und somit auch die Popmusik.
Die deutsche Unterteilung in E- und U-Musik, die als unsinnig zu beschimpfen, sich heute niemand nehmen lässt, der länger als zwei Minuten öffentlich über Musik redet, ist nie zuvor und nie wieder danach so eindrucksvoll widerlegt worden.
Es mag banal klingen, aber irgendjemand mußte auf die Idee kommen, die europäische Spätromantik mit dem brandneuen Sound, der soeben den Namen „Jazz“ erhalten hatte, zusammenzuführen und den Beweis für die Durchführbarkeit dieser Idee auch antreten. Damit mußte er gefälligst auch noch Erfolg haben, denn ohne eine gehörige Breitenwirkung, die auch kommerziell etwas abwirft, läßt sich nun einmal kulturell nichts bewegen. All das gelang mustergültig.

Dieser Jemand, dem es gelang, war ein damals 25jähriger Sohn russisch-jüdischer Einwanderer. Gershwin hat seine Tondichtung für ein innovatives Konzertprogramm seines bevorzugten Orchesterleiters Paul Whiteman geschrieben. Seine ursprüngliche Niederschrift war für zwei Klaviere angelegt und wurde von Ferde Grofé, der achtzehn Tage lang „nicht von seiner Seite wich“, für 32 Musiker orchestriert, die allerdings teilweise mehrere Instrumente zu spielen hatten. Gershwin beschrieb sein Projekt als „musikalisches Kaleidoskop Amerikas – unseres ungeheuren Schmelztiegels, unseres unvergleichlichen nationalen Elans, unseres Blues, unserer irren großstädtischen Unrast.“
Die Uraufführung fiel passenderweise auf den Geburtstag von Abraham Lincoln.

In dem Walt-Disney-Film „Fantasia 2000“, der zur Feier der Jahrtausendwende dem Konzertfilmklassiker „Fantasia“ nachgelegt wurde, gibt es eine Bebilderung der kompletten Rhapsodie, die im Stil des legendären Broadway-Karikaturisten Al Hirschfeld gehalten ist. Der knapp hundertjährige Hirschfeld hat sogar noch daran mitgewirkt.

Dieser Beitrag wurde unter Musicalgeschichte, Musik abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Das wichtigste Musikstück des 20. Jahrhunderts

  1. krischhhieee sagt:

    Ach, wie achön geschrieben. Da bekomm ich gleich Lust, die Platte mal wieder aufzulegen;)!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.