Wie der Teufel gemacht wurde

betr.: 60. Jahrestag der Premiere des Musicals „Damn Yankees“

Wie man sich erinnert, war Luzifer („Lichtengel“) nicht immer der Beherrscher der Hölle, er fiel zuvor im Himmel in Ungnade. Solange der Mensch angehalten war, sich von Gott kein Bildnis zu machen, blieb auch die Gestalt des Teufels ein Geheimnis.
Aber um verdammt und von den Gläubigen abgelehnt werden zu können, mußte das Böse als „der Leibhaftige“ figürlich konzipiert werden. (Der Begriff Monstrum ist abgeleitet vom lateinischen monstrare = zeigen.)
In der Bildkunst des Mittelalters nahm die Figur des Teufels jene Gestalt an, die wir noch heute zur Hand nehmen und jederzeit wiedererkennen.
So schuf der Mensch sich den Teufel nach seinem Ebenbild und versah ihn dann mit Defekten (Klumpfuß bzw. Pferdefuß), Tier-Organen (Schwanz und Hörner), entwendetem göttlichem Gerät (Dreizack) und germanischen Mythologenen (wie z.B. dem übelriechenden Dampf, der zur Begrüßung aufsteigt).
Erstaunlicherweise ähneln sich die Teufelsdarstellungen verschiedener Weltreligionen (wie auch die Vorstellungen, die man sich von einer Hexe macht, diesseits und jenseits des Atlantiks ähnlich sind).

Das körperliche Zusammenfügen aus Mensch und Tier ist gewissermaßen der modus operandi des mythologischen Designs. Die altertümlichen Horror- und Fabelwesen, aber auch viele Gottheiten zeigen vielfach kombinierte Körperteile verschiedener Spezies.
Ein literarisches Werk hat das Prinzip aufgegriffen: „Das Eiland des Dr. Moreau“.
Auf einer küstennahen Privatinsel versucht der von der Fachwelt verschmähte Naturwissenschaftler Dr. Moreau in einer Reihe von Experimenten, den Entwicklungsprozeß vom Tier zum Menschen zu beschleunigen – und zwar, indem er beides miteinander kreuzt und die ungewissen Ausgänge dieser Paarungen beobachtet. Die Ergebnisse sind freilich alle zum Fürchten.
Der berühmte Autor der Geschichte, H. G. Wells („Die Zeitmaschine“, „Krieg der Welten“) erlebte die erste ihrer Verfilmungen noch mit: in „Island Of Lost Souls“ spielte Charles Laughton 1933 die Titelrolle. Wells mochte den Film nicht, und er gilt allgemein als missglückt. (Zur Strafe wenden sich Moreaus Geschöpfe gegen ihn und unterziehen ihn im „Haus der Schmerzen“ selbst einer Behandlung.)
44 Jahre später trat Burt Lancaster an Laughtons Stelle. Er kehrte das evolutionäre Ansinnen der Vorlage um und „animalisierte“ seinen Partner Michael York – ebenfalls ein Reinfall sowohl vor der Augen der Wissenschaft als auch vor denen des Kinopublikums.
Und die 1996er Version mit Marlon Brando und Val Kilmer? – Nun, das war eher eine Formalität. (Brandos lebenslange Verachtung für den Filmschauspielerberuf war inzwischen selbst für seine Fans offensichtlich.)

Wie kann es sein, dass ein so prachtvoller Stoff, der zudem mit einer zentralen menschheitsgeschichtlichen Formel spielt, bei derart prominenter Besetzung jedesmal in die Hose geht?
Vielleicht hat ja hier wirklich der Teufel die Finger im Spiel.

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Eine Antwort auf Wie der Teufel gemacht wurde

  1. Daniela sagt:

    Nicht nur im Film !!!
    War es der Wodka oder die politische Verblendung, welche die russischen Wissenschaftler in den 20er Jahren tatsächlich an einem „neuen Menschen“ rumtüfteln liess? Man weiss es nicht. Tatsache ist, dass die Technologie gläubigen Bolschewiken mit Wissenschaftlern einen neuen Bürger schaffen wollten, der weniger Probleme macht als der alte. Dabei kamen abstruse Ideen zum Tragen. Manche Wissenschaftler wollten zum Beispiel durch Blutaustausch zwischen Jung und Alt den makellosen Menschen schaffen. Die geheimen Tests der Bolschewiki zur „Ewigen Jugend“ schlossen unter anderem Organverpflanzungen, Herzoperationen und künstliche Befruchtungen ein.

    Andere wiederum experimentierten mit Menschen und Affen, die sie kreuzen wollten, um menschenähnliche Hybriden zu zeugen. Sinnbild für die abartigen Experimente ist die Affenzucht-Station in Suchumi, die 1917 eingerichtet und mit den damals besten sowjetischen Wissenschaftlern besetzt wurde. Der Petersburger Biologe Ilja Iwanow war ein Kreuzungsfanatiker und wollte einen Hybriden zwischen Mensch und Affe züchten, einen Urmenschen konstruieren. Die Bolschewiki unterstützten ihn dabei. Im Jahre 1928 unternahm Iwanow dann die ersten praktischen Schritte und besamte drei Schimpansenweibchen. Doch dies misslang: Zwei davon starben, das dritte wurde nicht trächtig. Diese Affenmenschen sollten den Militärchemikern als Versuchsobjekte für neue Giftstoffe dienen und schwere und gefährliche Arbeiten übernehmen.
    Iwanow plante auch, afrikanische Frauen im Krankenhaus ohne ihr Wissen mit Affensperma befruchten zu lassen, doch das ging selbst den abgebrühtesten Revolutionsrussen zu weit. In der Sowjetunion fand der Biologe schliesslich einige Freiwillige, die sich mit Orang-Utan-Sperma besamen lassen wollten. Doch sein einziger Orang-Utan starb und so platzte auch der Traum vom wiedererstandenen Urmenschen. Iwanow wurde später nach Kasachstan verbannt, wo er auch starb.

    Andere Wissenschaftler hatten eine Idee, die erschreckend klingt, aber genau so heute in Spermabanken zum Einsatz kommt. So schrieb der marxistische Genetiker Serebrowski: „Die beste Methode zur eugenischen Umgestaltung der Gesellschaft ist die künstliche Besamung.“ Er schlug vor, die Frauen mit dem „Sperma der in genetischer Hinsicht wertvollsten Männer“ zu befruchten. Kinder sollten nicht Bestandteil einer Familie sein, sondern Teil des Systems.

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