Brainstorming eats Brain

betr.: 49. Jahrestag der dt. Erstaufführung des Films „Fantomas“

Als Teilnehmer mehrerer Ensemble-Kabarett-Produktionen kann ich ein Lied davon singen: Diskussion, in denen es um den Namen bzw. Titel für ein gemeinsames Projekt geht, sind die Hölle! Je mehr Personen an der Debatte beteiligt sind, desto eher tritt die Suche nach der bestmöglichen Idee zugunsten von Proporz- und Wohngemeinschaftsreflexen in den Hintergrund. („Susanne hat heute noch gar nicht recht bekommen!“). Dass Demokratie in kulturellen Schaffensprozessen nichts verloren hat, ist aber nur einer der Gründe für diese Feststellung. Selbst wenn die Debatte zu einem glücklichen Ausgang führt, ist es dann nur dieser Ausgang, der berichtenswert wäre, der Weg dorthin ist eine Qual – eine kurze oder lange.

Eine der wenigen hochamüsanten Namensfindungen ist folgerichtig eine, in der alles ganz besonders schnell ging. Die Autoren Marcel Allain und Pierre Souvestre sind als die Erfinder der Verbrecherfigur Fantomas in die Literaturgeschichte und später in die Popkultur eingegangen. Die hatten bereits einige Manuskriptseiten abgeliefert und ihren Verleger Joseph Arthème Fayard damit schon überzeugt. Lediglich der Name der Hauptfigur und somit der Titel der Serie fehlten noch – was einem derart geheimnisvollen Protagonisten ja auch gut zu Gesicht steht.
In der Metro überlegten die beiden nun, was zu tun sei. Es war höchste Zeit, denn sie befanden sich auf dem Weg zu Fayard, der nun mit einem brauchbaren Vorschlag rechnete. Allain schrieb schließlich aus reiner Verlegenheit „Fantomus“ (sprich: Fongtomüüüs“) auf einen Zettel  – geschüttelt von den natürlichen Bewegungen des Metro-Waggons.
Diesen Zettel zeigten sie dem Verleger.
Der konnte die krakelige Schrift nicht genau entziffern und rief beglückt aus: „Fantomas! Ein schöner Name!“

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