Muckis mit Sprungfedern

betr.: Filmstart „Terminator: Die Erlösung“

Der neue Schwarzenegger-Film wird in der Vorberichterstattung wohlweislich als Nachfolger von „Terminator 2“ bezeichnet – so als hätte der verunglückte 3. Teil nie stattgefunden. Aber auch, wer die andere aktuelle 90er-Jahre-Zombieproduktion „Jurassic World“ eher frustrierend fand, wird vielleicht einige Hoffnung in Arnie setzen, die Killermaschine mit dem goldenen Herzen.
Und einer der mächtigsten Gegener dieser Maschine wird wieder einmal das Klischee sein.
Kraftmenschen zu verhöhnen, hat Tradition, seit diese „Bodybuilder“ genannt werden. Besonders, wer selbst figürlich etwas nachlässig ist, macht sich gern vor, es wäre kaum menschenmöglich, körperlich und geistig gleichermaßen fit zu sein.
Zu diesem Eindruck mag ein TV-Interview beigetragen haben, das die früh verstorbene Society-Journalistin Margret Dünser Mitte der 70er von Ösi zu Ösi mit Schwarzenegger geführt hat. Zu dieser Zeit war er schon Mr. Universum, in den USA aber noch ein skurriler Neuankömmling. Breitbeinig lag (!) er vor der Interviewerin auf seinem Fläz-Möbel und schwadronierte davon, er könne sich vorstellen, noch mehr Filme zu drehen, auch größere, anspruchsvollere. Für Politik würde er sich auch interessieren, warum nicht …
Das muß damals reichlich komisch ausgesehen und geklungen haben.
Als ich – inzwischen war er ein Weltstar – zum ersten Mal ich seine Originalstimme hörte, bekam ich einen Riesenschreck. Das war auf dem Press-Kitt zu „Total Recall“, auf einer jener Audio-Cassetten mit O-Tönen, die früher an Funkjournalisten ausgeteilt wurden. Da blubberte dieses heute allen wohlvertraute steirische Lallen, ein kurzes Statement, das in Schwarzeneggers Lieblingsbotschaft mündete: man müsse hungrig bleiben, wenn man etwas erreichen wolle (eine Anspielung auf den Titel seines ersten US-Filmes „Stay Hungry“).

Die Verwirklichung seiner Dünser-Drohungen ließ das Bild vom tumben Kraftmeier nicht völlig verschwinden. Sein künstlerisch wertvoller und zugleich riesig erfolgreicher Actionfilm „Terminator 2“ ist und bleibt ein solches filmhistorisches Einzelstück, dass er schon wieder kurios wirkt.
Kleinkarierte Gemüter wie der eine oder andere Amerikakorrespondent warfen ihm vor, er hätte sich als Gouverneur von Kalifornien nicht entschieden genug gegen die Todesstrafe ausgesprochen – was nicht gerade für einen Einblick in die US-amerikanische Mentalität spricht.
Zahllose erwischte bzw. verhinderte Fremdgeher meinten, ihn als „Sperminator“ betiteln zu müssen, als er sich öffentlich zu seinem außerehelichen Sohn bekannte (den er immerhin stets unterstützt hatte). Hätte Schwarzenegger einige Wochen zuvor eines dieser beliebten „Monogamie ist Scheiße“-Statements abgegeben, hätten die gleichen Leute vermutlich leise „sehr richtig“ gesagt.

Alles vergessen!
In „Terminator: Die Erlösung“ dürfen wir ihn wieder in „Aaaktschn“ erleben. Irgendwie wird er sich schon durchschlagen in diesem Geschäft, das nicht umsonst „Box-Office“ heißt. Die Schrammen und Beulen sind ja schon eingebaut.

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