Einmal Planet der Affen und zurück

betr.: 75. Geburtstag von Natalie Trundy

Ungeachtet einiger Pausen und Leerläufe gehört auch „Planet der Affen“ zu den großen Filmserien, die heute fast das gesamte Angebot des Mainstream-Kinos aus Hollywood ausmachen, und es ist ein besonders altehrwürdiges Beispiel. Die Reihe reicht zurück ins Jahr 1968, es gab unterdessen außerdem eine TV- und eine Comicserie. Bei den „Simpsons“ wurde sogar ein „Planet der Affen“-Musical aufgeführt. Unvergessen der Schlußtitel, in dem es so schön heißt: „I hate every ape I see, from chimpan-A to chimpan-Z“.

Aber zurück zu den Ursprüngen: an der Herstellung des klassischen Kinofilms war Rod Serling als Drehbuchautor beteiligt, jener Rod Serling, der mit der Mystery-Serie „The Twilight Zone“ Fernsehgeschichte geschrieben hatte. Er räumte ein, die Dialoge seiner Drehbuchversion seien komplett verworfen und durch humorvollere ersetzt worden, nahm aber für sich in Anspruch, die grandiose Idee mit den Trümmern der Freiheitsstatue am Ende des Films gehabt zu haben. (Nun ja – in einem Interview, das er kurz vor seinem frühen Tod gab, meinte er etwas verschwiemelt, die Idee sei von ihm „in Zusammenarbeit mit Arthur P. Jacobs“, dem Produzenten des Films.) Insgesamt bietet der Film unbestreitbar reichlich Serling- bzw. „Twilight Zone“-Motive, z.B. die unverhoffte Heimkehr aus der Episode „I Shot An Arrow Into The Air“, das Besatzungsmitglied, das eine Zeitreise nicht überlebt aus „The Rip Van Wikle Caper“, die umgestülpten ästhetischen Verhältnisse aus „Eye Of The Beholder“. (Übrigens beginnt „Planet der Affen“ mit einem erklärenden Prolog im Stil von Captain Kirks Computer Logbuch der „Enterprise“, einer Serie, die es ohne „The Twilight Zone“ vermutlich so nicht gegeben hätte.)

Affen-Drehbuchseite
Drehbuchseite mit einigen schweigsamen Momenten aus „Schlacht um den Planet der Affen“ (1973), dem vorläufig letzten Beitrag zur Filmreihe.

Das meiste davon findet sich nicht in der Romanvorlage von Pierre Boulle, auf die wir einen kurzen Blick werfen wollen.
Im Buch begegnen wir den interstellaren Dichtern Dichtern Jinn und Phyllis, die auf ihrer Sternen-Yacht Urlaub im All machen. (Das spinnennetzartige Segel ihres Fahrzeugs nutzt die Kraft der Sonnenwinde.) Eine im Raum treibende Flaschenpost (!) reißt die beiden aus ihrer Ferienstimmung. Dort lesen sie die Geschichte von Odysseus Merou aus dem 26. Erden-Jahrhundert, der sowohl Journalist als auch Astronaut war und außerdem Mitglied der französischen Weltraum-Mannschaft, die als erste zu einer Sternenmission aufbrach. Ihr Ziel: das Sternbild Beteigeuze. Merou landet auf einem Planeten, der von intelligenten Affen bewohnt wird. Hier herrscht die Dreiklassenstruktur, die wir auch aus dem Film kennen, bestehend aus Orang-Utans, Schimpansen und Gorillas. Die Ähnlichkeiten dieser Gesellschaft mit unserer irdischen gehen jedoch weiter: die Affen bauen Städte, halten Wahlen ab, fahren Autos, und zu besonderen Anlässen erscheinen sie sogar im Frack. Die Menschen sind primitive Viecher, die gejagt und in Laborversuchen eingesetzt werden.
Da er dem Bild seiner Artgenossen nicht entspricht, gelingt es Merou nach einigen Anläufen, das Vertrauen der Schimpansen Zira und Cornelius zu gewinnen. Er stellt sich als Archäologe zur Verfügung, der den Affen hilft, die Vorgeschichte ihrer Zivilisation zu rekonstruieren. Wie sich herausstellt, ging es dort früher wie auf der Erde zu, mit wilden Affen, die von intelligenten aber fehlgeleiteten Menschen beherrscht wurden. Es wird einiges ans Licht gebracht, was sich erst in späteren Ausgaben der Filmversion ereignen wird: die Menschen domestizierten die Affen und züchteten sie so weit hoch, dass die ihnen schließlich die Herrschaft über den Planeten streitig machen konnten.
Als Merou mit seiner Gefährtin Nova ein Kind zeugt, das nun ebenfalls über seine Intelligenz verfügt, erregt er den begreiflichen Unmut der Affengesellschaft. Es gelingt ihm mit seiner jungen Familie zu fliehen und zur Erde zurückzukehren. Er landet am Rande seiner Heimatstadt Paris.
Seine wenige Jahre währende Reise hat aus irdischer Sicht 4000 Jahre gedauert. Da das Begrüßungskomitee aus Affen besteht, macht er sich sofort wieder auf, um nach einem erdähnlichen Planeten zu suchen, auf dem gerade die Menschen an der Reihe sind.
Zu diesem Zeitpunkt setzt er auch seine Flaschenpost ab.
Zuletzt erfahren wir zu unserer (milden) Überraschung, dass auch Jinn und Phyllis, die Leser seiner Botschaft, Affen sind, die die Idee eines intelligenten Menschen reichlich amüsant finden.

Sowohl Rod Serling als auch Pierre Boulle waren unabhängig voneinander im Gespräch, am Drehbuch der Fortsetzung „Rückkehr zum Planet der Affen“ mitzuarbeiten. Es kam nicht dazu.

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