Seid nett zu Mr. Sloane

betr.: 50. Todestag von Everett Sloane

Der Griff, an dem man den jüdischen Schauspieler Everett Sloane am schnellsten zu fassen bekommt, sind seine beiden Auftritte in den Orson-Welles-Klassikern „Citizen Kane“ und „Die Lady von Shanghai“. Wie auch der Rest von Welles‘ Darstellerensemble, entstammte der dessen New Yorker Hörspielmannschaft und ging nach dem Skandal um den „Krieg Der Welten“ mit ihm nach Hollywood. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich am Mikrofon schon als Serienheld etabliert und war die Standardstimme Adolf Hitlers – sowohl in Radio-Shows wie auch in der Wochenschau „March Of Time“.
Beide eingangs genannten Filmauftritte sind ikonografisch. Im Finale von „Die Lady von Shanghai“ schmückt er die berühmte Szene im Spiegelkabinett, in der er mit seinem Stock umherhinkt. In „Citizen Kane“ gehört er zu einer Gruppe junger, unbequemer Journalisten, die frischen Wind durch die Presselandschaft blasen, und er sieht genauso aus wie der junge Rudolf Augstein wenige Jahre später bei der Gründung der SPIEGEL-Redaktion.

Everett Solane, ein rothaariger, sommersprossiger Typ, spielte im Kino nur Nebenrollen, bekam aber für seine Fernseharbeit einen Stern auf dem Walk Of Fame. Hier stand er nicht nur vor der Kamera sondern auch wieder hinter dem Mikrofon, so als Stimme von „Dick Tracy“. Möglicherweise hat er sich im Tonstudio auch deshalb so wohlgefühlt, weil er mit seinem Aussehen immer gehadert hat. Als er in „Citizen Kane“ schrittweise um fünfzig Jahre altern mußte, lobte ihn Welles dafür, dass man bei ihm kaum Make-Up benötigte, um einen alten Mann aus ihm zu machen. Das hat ihn sehr gekränkt und in seinen Minderwertigkeitskomplexen bestärkt.

Wie seine Welles-Kollegin Agnes Moorehead und der berühmte Filmschurke Peter Lorre landete er zuletzt bei Jerry Lewis. Im Gegensatz zu den meisten Filmkomikern, die in ihrem Umfeld unauffällige Gesichter bevorzugen, umgab sich dieser gern mit herausragenden altgedienten Charakterköpfen, die er in kleinen Rollen um sich herum aufbaute.
In den 60er Jahren begann Sloane langsam zu erblinden und entzog sich diesem Schicksal mit einer Überdosis Schlaftabletten. Er war 55 Jahre alt.

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