Dieter heißt jetzt Max

betr.: „Schwarzer Freitag“ / die Schraube der allgemeinen Verblödung

Mit jedem Monat, den wir auf der Welt sind, nimmt die Zahl juckreizerregender Stilblüten zu, die ganz offiziell als richtig gelten. Und bei fast jeder davon ist eine gewisse Klugscheißerei herauszuhören, die Sorge, der Leser oder Zuhörer könnte ein bißchen dämlich sein.
Seit der Jahrtausendwende darf man nicht mehr 20er oder 50er Jahre sagen, es heißt nun 1920er und 1950er Jahre, auch wenn der Zusammenhang kein anderes Jahrhundert zulässt.
Die ansonsten jede Torheit aufdeckende „taz“ piesackt ihre Leserschaft schon lange mit einer sinnvernebelnden Genderei, hat aber kürzlich die Schreibweise wieder geändert (ein Binnensternchen hinzugefügt), was ein Beleg dafür ist, dass auch redaktionszugehörige Feministen (Feministinnen, FeministInnen usf.) gewisse Entzifferungsgewohnheiten nicht abschütteln können.
A propos: Begriffe wie Chefsekretärin, Sachbearbeiter und Friseuse sind nicht nur neuerdings unrichtig sondern sogar zur Beleidigung erhoben worden (– erlaubt wären Teamchefin, Kundenberater und Friseurin bzw. Haarkünstlerin).

Auch vor Eigennamen und historischen Schlagworten macht dieser Unsinn nicht halt. Begriffe wie „Reichskristallnacht“, „Zigeunermusik“ oder Astrid Lindgrens unlängst bereinigter „Negerkönig“ sind nicht länger Tat- sondern Geschmacksache, offizielle Geschmacksache.

Nun hat es den „Schwarzen Freitag“ erwischt. Seit sich herumgesprochen hat, dass „man“ gar nicht sicher ist (sein kann?), ob der Tag des Börsenkrachs von 1929 wirklich ein Freitag war, ist auch dieser feststehende Ausdruck von den deutschen Tiefbrettbohrern befuhrwerkt worden. „Schwarzer Mittwoch“ hieß er dieser Tage tatsächlich in einem öffentlich-rechtlichen Magazin – und ich glaubte, ich höre nicht recht!
Die Amerikaner sagen schon lange „Black Tuesday“, die Franzosen sprechen vom „Mardi noir“, und wer in anderen Sprachen weiterforscht, wird die Woche sicher komplettieren können. Die Wikipedia bietet einen verblüffenden Kompromiß an: der „Schwarze Freitag“ sei ohnehin der Tag nach dem Absturz der Aktienkurse gewesen, an dem sich die Lage nicht gebessert und jeder Einsichtige habe ermessen können, dass die Lage ernst sei.
Einer der im Verdacht stehenden Unglückstage jährt sich heute zum 86. Mal.

Demnächst wird man sicher auf die Idee kommen, (es folgt ein beliebiges Beispiel) Otto könne ein zu simpler Name für einen so großen Mann wie Bismarck sein, und man wird über einen Relaunch nachdenken. Was nicht weiter schlimm wäre, würden sich unsere Leitmedien dann nicht alle beeilen, ihn mitzumachen.

Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Medienphilosophie, Philologie abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Dieter heißt jetzt Max

  1. Pingback: And don’t get so fresh! - Monty Arnold blogt.Monty Arnold blogt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>