Ghost – Nachricht von John Barry

betr.: 5. Todestag von John Barry / „The Hateful Eight“ / „Spectre“

Als ich vor einigen Tagen „The Hateful Eight“ ansah, ein weiterer Edel- und Italowestern von Tarantino, hatte ich ein typisch postmodernes Erlebnis. Es war eine Roadshow-Aufführung im Hamburger Savoy-Kino, in der es – wie früher Usus – vor dem Film noch eine Ouvertüre gab. Als ich sie hörte, dachte ich: „Aha, das soll wohl nach Morricone klingen. Na, warum auch nicht? Paßt ja. … Wer das wohl gemacht hat? Typisch – da wird für praktisch jeden Aspekt der Produktion ein Haufen Geld ausgegeben, in Panavision gedreht usw., aber die Musik ist mal wieder eine Billig-Lösung. Der BWL-Praktikant, der das zusammengesampelt hat, weiß wahrscheinlich gar nicht, wer Ennio Morricone überhaupt ist.“
Ich habe mich gründlich geirrt! Wie ich wenige Minuten später auf der Leinwand lesen durfte, ist der Komponist einer der teuersten aller Zeiten: Ennio Morricone.

Wie schwierig es ist, eine historische Leistung selbst durchs eigene Spätwerk zu retten, wissen wir ja von Otto Waalkes. Morricone hat vor knapp 50 Jahren als einer der Ersten (als der Erste nach Bernard Herrmann) dafür gesorgt, dass Filmmusik im Kino von jedermann bemerkt wurde. Außerdem schuf er ein komplettes Klanggefühl: so wie Morricone und nicht anders hört sich der moderne Western an. So klingen seither alle Geschichten von wilden Desperados auf einsamer Ebene – auch in Spanien oder der lateinamerikanischen Pampa.

Ein ähnliches Verdienst hat kurz davor John Barry erworben. Als Hauskomponist der James-Bond-Reihe schuf er den Sound für das geschmackvolle europäische Agentenabenteuer, den Beat des Kalten Krieges.
Eine Unzahl internationaler Kopien der 007-Reihe mußte sich an diesem Vorbild orientieren, und das war ein großes Vergnügen. Auch Hollywoodkomponisten und das mediterrane Koproduktionskino lernten von dem Jungspund aus York, der mit Beatmusik angefangen hatte.

Und auch dieser Sound lässt sich gerade in einem aktuellen Reißer erleben: in „Spectre“, dem neuen Bond.
Auch hier wusste ich den Namen des Komponisten nicht auswendig (- es ist Thomas Newman), konnte mir aber sicher sein, dass John Barry nicht mehr selbst zur Verfügung gestanden hat.
Das schadet seinem Nachruhm allerdings nicht. Obwohl sich die Bond-Produzenten schon in den 80ern mit dem Komponisten von „Goldfinger“ und „Mr. Kiss Kiss Bang Bang“ überworfen haben, pflegen sie sein Idiom bis heute. Mag auch James Bond selbst längst ein anderer sein, seine Musik (also: das Underscoring) klingt wie es sich gehört.
Die Musik zu „Spectre“ ist frisch, wachsam, sexy, zeitlos.
Sie ist so natürlich wie der eigene Atem.
Sie klingt nach John Barry.
Sie macht glücklich.

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