In der Hand von Geschäftsleuten

betr.: Hamburger Premiere des Musicals „Der Mann der Sherlock Holmes war“ / Schließung der Joop Van den Ende Academy

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Lukas Strasheim, Andrea Luca Cotti, Luisa Meloni und Kathrin Finja Meier sowie ihre Vorgänger aus seligen UFA-Zeiten.

Noch bis Montag läuft in der Studiobühne New York der Joop Van den Ende Academy in der Hamburger Speicherstadt „Der Mann, der Sherlock Holmes war“, ein neues Musical auf der Basis des gleichnamigen Tonfilms mit Heinz Rühmann und Hans Albers. Diese Verwechslungskomödie (die Helden sind nicht wirklich Holmes und Watson sondern Hochstapler mit den besten Absichten) ist die möglicherweise letzte Gelegenheit, die Zöglinge der ambitioniertesten Musical-Privatschule unseres Sprachraums in Aktion zu sehen – die Einsparung des Hauses ist bekanntlich schon verkündet.
Zur Zeit wird darum gerungen, ob die beiden bereits begonnenen Jahrgänge wenigstens noch ihren Abschluß machen können. Dabei wird erwogen, dass dies auch anderswo geschehen könne. Wer die Joop Van den Ende Academy kennt (und wer weiß, dass es anderswo Musical-Schulen gibt, die nicht einmal eine künstlerische Leitung aufweisen), dem muß diese Überlegung verstörend erscheinen.
Die Show liefert die besten Argumente für den Fortbestand der Academy – zumindest jenen, die sie sich ansehen.

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Ein Höhepunkt des Abends: Justus Schmeck und das ehemalige Löwenkind Karim Ben Mansur als unzufriedene Dienstleistungs-Ganoven.

„Der Mann, der Sherlock Holmes war“ ist überaus schmissig und vollbringt das Kunststück, dass man den großen Hit des Originalfilms, „Jawoll, meine Herrn!“, nicht vermisst. Der Sound ist angemessen nostalgisch, aber frisch – etwas mehr Dialog zwischen den furiosen Choreographien hätte der Zugänglickeit der Figuren dennoch gutgetan; das Programm ist beinahe durchkomponiert, wie es heute üblich ist. Wie ich aus zahlreichen unvergeßlichen Werkstattaufführungen weiß, hätte das Ensemble auch in stilleren Momenten durchaus geglänzt.

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Eine Truppe in stürmischen Gewässern: das „Sherlock Holmes“-Ensemble.

Von Anfang an hatte ich das Glück, als Dozent dabeisein zu dürfen, als Teil eines Kollegiums, das die Studentenschaft zahlenmäßig sogar überragte. Und so ist es richtig: Rohdiamanten brauchen bekanntlich einen sorgfältigen Schliff. Talent allein genügt nicht.
Nun erweist sich als tragisch, was all die Jahre soviel Freude gemacht hat: die Academy liegt am denkbar schönsten Ort: in Hamburg – und hier hat alles Kulturelle naturgemäß einen schweren Stand.

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