Nichts gegen Synchronisation

betr.: 103. Geburtstag von Gert Fröbe

Meistens hat sich Gert Fröbe – einer der wenigen deutschen Weltstars des Kinos – selbst synchronisiert, wenn er in einem ausländischen Film auftrat.
Das Abweichen eines Gesichts von seiner vertrauen Stimme ist nie ganz unproblematisch, aber in diesem Falle ist es besonders irritierend: wenn Fröbe mit fremder Stimme spricht (wie in „Herr Satan persönlich“) oder wenn wir seine Stimme aus einem anderen Munde hören (wie zu Beginn von „Verdammt in alle Ewigkeit“).
Gert Fröbe war der Mann, dem wir sogar gestatteten, im Angesicht des Geheimagenten James Bond zu sächseln.

Und doch müssen wir hier zwei Einschränkungen machen.
Erstens war Fröbe selbst der Meinung, sein Hochdeutsch sei tadellos. Zweitens fühlte er sich als „Goldfinger“, bei seinem ersten internationalen Filmauftritt, auch der englischen Sprache gewachsen. Er wurde fleißig gecoacht, u.a. von seiner Partnerin Honor Blackman. Es half alles nichts – die Kollegen am Set verstanden kein Wort. So wurde Fröbe schließlich in der Originalversion von seinem Kollegen Michael Collins synchronisiert.
Wer sich diese Fassung ansieht, erlebt einen milden Schock: Kollege Collins spielt stimmlich ebenso famos wie es Fröbe im Bild tut, und seine Stimme klingt sogar wie die echte. Die Illusion ist derart perfekt, dass ich mir immer wieder einbilde, dabei sogar einen sächsischen Touch herauszuhören.
Fröbe hat seinem Umfeld gegenüber stets so getan, als habe er diese Auswechslung gar nicht bemerkt. Angeblich hat er immer wieder damit geprahlt, wie fabelhaft sein Englisch sei – der Film selbst sei der Beweis.
Das war natürlich Unfug.
Gert Fröbe war auch im Privatleben ein guter Schauspieler. Und außerdem ein Komödiant.

Dieser Beitrag wurde unter Film, Hommage, Medienphilosophie, Mikrofonarbeit, Übersetzung abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.