The Glorious Theater Lyrics Of Monty Arnold (12): „Cabaret“

betr.: 70. Geburtstag von Liza Minnelli

Liza Minnelli kommt aus gutem Hause und wurde zum Film- und Weltstar mit einer Rolle, die die längst vergessene Jill Haworth auf der Bühne gespielt hatte: die Sally Bowles in “Cabaret”. (Mir ist der Name dieser trotz Broadway-Hit glücklosen Kollegin nur ein weiteres Mal begegnet: als Scream-Queen in einem unbedeutenden Horrorfilm.)
In die lange Reihe derer, die das Repertoire der Damen mit ihren Mitteln weitergepflegt haben, reihte ich mich auf der Kabarett-Bühne ein.

***

Als nach dem Krieg das Fernsehen aufkam, war der Wiener Autor und Kabarettist Gerhard Bronner der Meinung, da müsse man hin mit seinem Programm. In die Vorstellung kämen ohnehin nur die, die der gleichen Meinung seien wie die Künstler, damit erreiche man nichts und niemanden.
Ich hatte mit der Kleinkunst 30 Jahre später das selbe Problem: kein Kanzler ist von den Brett’l-Humoristen so verspottet worden wie Helmut Kohl (wie mir weitaus ältere Kollegen bestätigten) – wenn man am nächsten Morgen die Zeitung las, wunderte man sich jedesmal, dass er nicht über Nacht klammheimlich zurückgetreten war. Dennoch regierte er bekanntlich länger als alle anderen. (Nichts für ungut – auch die Fernsehpräsenz der unzähligen Kohlwitz-Kabarettisten hat daran nichts geändert.)
Mich ärgerte diese … sagen wir: Unaufrichtigkeit des Betriebs, dem ich angehörte und verleitete mich zu einer meiner wenigen tagespolitischen Nummern. Die Musik dazu stammte aus dem schon erwähnten Musical “Cabaret” (- wie auch eine andere, die die AIDS-Politik der CSU kommentierte).
Um ihr diesen Aspekt nicht auszutreiben, gebe ich den Text hier unaktualisiert wieder. Die Gleichstellung der Begriffe “Kabarett” und “Cabaret” ist ein bewußter Kunstgriff.

CABARET
Words: Fred Ebb, Music: John Kander, deutsch von Monty Arnold

Fühlst du dich schuldig an Waffen und Tod
und auch am Treibgasspray,
an schwarzer Kinder Hungersnot? –
Geh doch ins Cabaret!
Spürst du die Reue, wenn Nazis regier’n,
nicht nur in Übersee?
Wenn unsre Umwelt baden geht?
Komm mit ins Cabaret!

Man lullt dich ein, man sagt dirk lar:
der kleine Mann kann nichts bewirken!
– Kein Asyl für Kümmeltürken! –
Es war’n die Großen in Bonn und Berlin,
die Herrn an Rhein und Spree!
Die ganz allein sind schuld daran!
Komm mit ins Cabaret!

Ich frag’ mich bang: was habe ich verbrochen?
Im Garten hat’s bei mir verbrannt gerochen.
Da hör’ ich SPIEGEL-Journalisten bellen.
Na klar, das waren die Industriellen!
Der Staat geht irgendwann zu Schimpf und Schande.
Und schuld daran ist nur der Boß vom Lande!
Was kann ich armer deutscher Wicht dazu?
Das war’n die Großen, laßt mich doch in Ruh!
Wozu denn denken, das tut Vater Staat!
Wenn der falsch denkt, ham wer Pech gehabt!

Quält dich die Frage: Warum stinkt’s im Land?
Da hilft nur Bonzenschmäh!
Sieh, wo man drüber lachen kann!
Komm mit ins Cabaret!
Was können wir für den Abfall im Wald?
Das war doch die EG!
Geh hin, wo man dich munterschwallt!
Komm mit ins Cabaret!
Es war’n die Kohls! Es war’n die Blüms!
Die böse Welt, sie läßt mich zittern,
Diktatoren, Spesenritter!

Plagt dich die Schuld am kaputten Ozon?
Ich kenn da einen Dreh:
Wenn heut die Nacht herniederfällt
und dich ein schlimmer Alptraum quält,
dann geh doch ins Cabaret!

Noch ein regulierender Gedanke zu Jill Haworth und dem Erfolg der Minnelli mit „Cabaret“: acht Jahre später nahm der ein Kollege ihren Song weg. Der Kollege war Frank Sinatra, der Song hieß Theme From „New York, New York“.

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