The Glorious Theater Lyrics Of Monty Arnold (13): „Louisa“

betr.: 43. Todestag von Noël Coward

In dem Song „Louisa“ erzählt Coward die Geschichte eines fiktiven Kinderstars. Diese Kinokarriere übersteht gleich zwei hochgefährliche Mutationsprozesse: den Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm und das Erwachsenwerden vor der Kamera. Unter der beschwingten Melodie – der Refrain ist im Walzertakt gehalten – versteckt sich ein für Cowards Verhältnisse geradezu herzlos-boshafter Text, aber der ist angemessen. Schließlich geht es hier um Stumpfheit, um Jammern auf hohem Niveau und ganz generell um die Unfähigkeit, mit sich selbst in Frieden in einem Raume zu verweilen. Bei den sich daraus ergebenden Verfehlungen hilft der Heldin ein gründlicher Drogenkonsum.
„Louisa“ ist ein Song, in dem insbesondere die spezifischen Folgen des Kokaingenusses präzise beschrieben werden.

Louisa
aus dem Theaterstück „Relative Values“ (1950)
Text und Musik: Noël Coward, deutsch von Monty Arnold

Louisa war ein Moviestar,
schon lang bevor sie süße sechzehn war
Lang, bevor Cagney zu den Gangstern ging,
war sie die Soft-Shoe-Königin.
Später, als der Tonfilm kann,
da hing die ganze Welt an ihrem Mund!
Ein jeder Gatte den sie hatte,
war den Paparazzi glatt ’ne satte
Titelseite wert.

Doch auch als Einzelstück
brachte ihr die Presse Glück:
alles, was sie tat, war schick,
ihr Dackel Prominenz.
Manch einer sagte:
„Die hängt sogar Marlene ab!“
Kein and’rer Entertainer war
’ne echte Konkurrenz.
Doch kein Drama, kein Frou-Frou,
auch kein Slapstick sprach ihr zu,
wenn sie abends im Pool beim Bade ward.
Und obzwar sie drall und schön
in der Wochenschau zu seh‘n –
war ihr Leben eine lange Hadesfahrt.

Refrain:

Louisa war fürchterlich einsam.
Ihr Köpfchen war öde und leer.
Sie bezog keinen Fun,
wenn sie Oscars gewann
und saß klamm in ihrem Heim in Bel Air.
Louisa war müde vom Leben,
vom Koks und von all dem Applaus.
Und kamen die Gäste,
griff sie ihre Hand
„Ach, Tony, mein Bester,
ich bin so verspannt!
Ach, könnt ich mich einfach zersetzen!
Mir stinkt dieser ganze Planet!“
– und schon am nächsten Tag
war sie fürchterlich einsam
von morgens bis spät.

Louisa war launisch und weinte,
es schmeckte der Ruhm nur wie Tran.
Sie haßte den Jet-Set und schlief bei Kultur,
bei Gauguin und beim „Sterbenden Schwan“.
Beim Polo da piekste der Rücken,
beim Kricket da ziepte der Fuß.
Und als frisch vermählt sie auf Ozeanfahrt,
da kam ihr Geliebter und küsste sie zart
„Ach, hat man denn nie seine Ruhe,
nicht einmal im eigenen Bett!“
– und schon kurz darauf
war sie fürchterlich einsam,
so einsam wie’s geht.

Louisa war taub vor Konfetti
(So’n Fusselkram!)
Sie fand all die Rosen so doof
(Was soll der ganze Schmarrn!)
Und sie schlug die Hände vor’s Gesicht,
„Ich bin so genervt, ich fass’ es nicht!“
Und wie schrecklich schwer sie’s übel nahm,
als sie sah: „Kein Schwein mehr ruft mich an!“
Keiner auf Erden sieht meine Qual,
keiner in diesem Affenstall –
keiner bis auf – na, raten sie mal.
Farewell to lovely Louisa,
(Es wird immer mieser!)
Da kann man seh’n wie das geht:
Ein alter Fluch, hat sie sich ausgesucht,
sie ist einsam, einsam von morgens bis spät!

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