Der Genießer wendet sich mit Grausen

betr.: 4. Staffel der Serie „American Horror Story“ auf SIXX

Die vierte Staffel von „American Horror Story“ ist im deutschen Free-TV angelaufen (es gibt bereits eine fünfte), und die gezeigten ersten beiden Folgen lassen sehr gut erkennen, wohin die Reise geht.
Der Untertitel verrät, in welchem Ambiente sich der Grusel in dieser Saison abspielen wird: im Milieu der „Freak Show“. Mit sorgfältig platziertem Namedropping wird die Handlung in den frühen 50er Jahren verortet: Betty Grable, Lucille Ball und das neue Medium Fernsehen werden aufgerufen, der Hitchcockfilm „Stage Fright“ und das nicht ganz gleichzeitige Musical „Singin‘ In The Rain“.

Der Look der Serie badet einerseits geradezu in US-Nachkriegsrealismus – und das ist spätestens seit „Mad Men“ geradezu Ehrensache: Autos, Möbel und Klamotten sind mit erkennbarer Pingeligkeit herangeschafft worden. Andererseits kommen die Orchesterdarbietungen alle vom Synthesizer, ist alles merkwürdig sauber und bonbonfarben und die Ausrüstung des kleinbudgetierten Wanderzirkus-Betriebs so pompös wie eine Comedy-Deko aus dem aktuellen deutschen Privatfernsehen.
Einerseits werden wir im Dialog ständig dazu ermahnt, Mitgefühl mit den Ausgestoßenen zu haben und Mutanten im Straßenbild ohne Vorurteile zu begegnen, andererseits läßt die Serie keine Gelegenheit aus, um mit schauerlichen Äußerlichkeiten und hochgepegelten Essensgeräuschen Brechreiz und Schadenfreude auf Kosten der Außenseiter zu erzeugen. Wer es zu bunt treibt – wie z.B. der pelzige Gnom „Meek The Geek“, der lebendem Geflügel auf der Bühne die Köpfe abbeißt – wird frühzeitig umgebracht, um die Harmonie des Ensembles nicht zu belasten.

Mit der Logik der ganzen Geschichte ist es nicht weit her. Wie kann die zweiköpfige Dame aus dem Krankenhaus spazieren, noch dazu angesichts der Bewachung ihres Zimmers durch einen Polizeibeamten? Warum wird sie nicht wirklich sofort wieder verhaftet, nachdem mit ihr auf Plakaten geworben wird. Warum tötet der geistesgestörte Clown ausgerechnet das reiche Muttersöhnchen nicht, sondern zieht ihm nur vorsichtig eins über und läßt sich von ihm verfolgen? Warum versteckt der Kraftmensch die Polizeimarke, die eigentlich ihn belasten sollte, nicht im Wohnwagen seines verhaßten Sohnes und Widersachers sondern in dem des schon erwähnten Geek? Und warum gibt sich die Polizei in der Folge damit zufrieden, nur diesen Geek mitzunehmen, anstatt den ganzen schrägen Haufen wenigsten zu verhören?
Wieso, weshalb, warum?

Ich habe mich zunächst sehr gefreut, den Namen von Kathy Bates im Vorspann zu lesen – die übrigens mit Frances Conroy eine Kollegin aus „Six Feet Under“ mitgebracht hat. Dann aber dachte ich: schon beschämend, dass Hollywood, ja dass selbst das gepriesene US-Serienfernsehen einer solchen Schauspielerin nichts Besseres anzubieten hat als diesen schlampig zusammengerührten Gruselbrei.

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