Die Outtakes von Ralf König (22): Shakespeare zum 400.

betr.: 400. Todestag von William Skakespeare / „Jago“ / Serie

In dieser Serie werden unveröffentlichte Zeichnungen von Ralf König vorgestellt: Skizzen, Vorstudien und Entwürfe, Outtakes, aber auch unvollendete Comics.

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.            Schon Cole Porter gab uns den Rat: „Schlag nach bei Shakespeare!“

William Shakespeare ist seit etwa 1800 nach Goethe und Schiller der dritte deutsche Nationaldichter. (Er wird hierzulande freilich weitaus häufiger gespielt als Goethe und Schiller zusammen.) Dies begründete die kanonisierte Schlegel-Tieck-Übersetzung seiner 37 Dramen, die seither regelmäßig durch Neu-Übersetzungen in Frage gestellt wird. Gern wird darauf hingewiesen, der durchgehend hehre Ton dieser klassischen Übertragung ins Deutsche mißachte den Gossenjargon des Originals, und oftmals wird dann sogleich die Flucht ins andere Extrem angetreten. Die Wahrheit läge wohl irgendwo dazwischen, wenn auch nicht genau in der Mitte. Zu den Qualitäten der ursprünglichen Shakespeare-Texte gehört die Vielfalt der Sprachformen: vom höfischen Gehüstel über Idiolekte und Fachchinesisch bis zu den obszönen Ferkeleien des Volksmundes findet alles nebeneinander statt. „Hamlet“ ist nach derzeitiger Expertenmeinung Schlegels beste und zeitloseste Übersetzung.
Aber schon die englischen Fassungen sind zahlreich und liegen in Verbesserungen und Korrekturen vor. Verschiedene Szenen fehlen in der einen oder anderen Ausgabe. Schon die früheste Gesamtausgabe von 1623 hat nicht Shakespeares Theaterpraxis entsprochen.
– Soweit dieser kurze Ausflug in die höhere Gelehrsamkeit.

Dass Shakespeare unentwegt nicht nur „modern“ inszeniert sondern oftmals gleich neu übersetzt und in allen erdenklichen Medien (mitunter bis zur Unkenntlichkeit) nach-erfunden wird – als eine nie versiegende Inspirationsquelle für Macher wie für Zuseher -, ist nicht sein geringstes bleibendes Verdienst.  Sowohl hinsichtlich der sexuellen Fruchtigkeiten als auch der Bereitschaft, Brutalitäten abzubilden – und das niemals zum reinen Selbstzweck, denn schließlich mussten zu Shakespeares Zeiten Theateraufführungen noch mit öffentlichen Hinrichtungen und Bärenhatzen um die Gunst des Publikums buhlen – ist Ralf König ein kompetenter Neu-Interpret des Barden aus Stratford. Gar nicht davon zu reden, dass Männer in Frauenkleidern an der Schwelle vom 16. zum 17. Jahrhundert britischer Theater-Alltag waren.

Henker_Ballzauber
Üble Konkurrenz für das Globe Theatre: sexy Enthauptungen und der Fußball, der ja bekanntlich eine englische Erfindung ist.

1998 legte Ralf König „Jago“ vor, in dem nicht nur der im Titel angedeutete „Othello“ aufgeht, sondern auch Motive aus „Macbeth“, „Romeo und Julia“ und „Ein Sommernachtstraum“.
Sein Quellenstudium war intensiv; er gönnt der Leserschaft auch einen Anhang mit Fußnoten.  Dazu passend produzierte er eine besonders beträchtliche Menge von Reinzeichnungen, die es nicht in den fertigen Comic schafften.
Eine detaillierte Sexszene des Helden Tom Poope (das ist eine kostümierte Variante von „Paul“) mit dem prachtvollen Mohren Gronzo hatte von vorneherein keine Aussicht auf die Veröffentlichung bei Rowohlt. Wir sehen sie uns später noch genauer an.

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Macbeths Hexentrio wurde in der Endfassung von Ralfs Freund Walter Moers ausgeführt. So hätten die Damen ursprünglich ausgesehen.

Copyright der Zeichnungen by Ralf König

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