„Thank You For Being A Friend“

betr.: 93. Geburtstag von Beatrice Arthur

Zum ersten Mal habe ich über Beatrice Arthur gelacht, als das deutsche Fernsehen das Musical „Mame“ ausstrahlte. Sie ist mit der Heldin befreundet, die beim Börsenkrach von ’29 ihr beträchtliches Vermögen verliert, und bietet ihr etwas gönnerhaft eine Rolle – oder besser: einen Auftritt – in ihrer neuen Show an: „Es ist eine verdammt moderne Operette! Ich unterrichte in einem Kloster und habe gerade etwas sehr Interessantes durch mein Teleskop entdeckt – eine astronomische Entdeckung!“ („A universe-shaking discovery!“) Der folgende Song, das Finale der Operette, enthüllt die Entdeckung: „The man in the moon is a lady!“
Die Heldin schmeißt diese wichtige Szene, weil sie ihren sehr kurzen Text verstolpert, aber die gepeinigte Nebenfigur Beatrice Arthur, deren Herzensprojekt in die Grütze geht, war für mich das Komischste an dieser Szene (- und am ganzen Film).

Arthur, die herbe Komödiantin, blieb trotz solider TV- und Broadway-Erfolge hierzulande ein Geheimtipp, bis 1990 die Serie „Golden Girls“ bei uns anlief. Die ARD strahlte die Abenteuer einer Vierer-WG reiferer Damen in Miami bei uns freitagsnachts nach dem „Bericht aus Bonn“ in Zweikanalton aus. Eine Generation von Nachtschwärmern genoß die neue Folge, während sie sich zum Ausgehen feinmachte. In den schnodderigen Dialogen kamen Themen wie Kondome, Homosexualität, künstliche Befruchtung und Sex im Alter zur Sprache.
Es fanden Dialoge statt wie: “Was trägt man, wenn man auf eine Samenbank geht?“ – „Etwas Attraktives aus Gummi.“
Die Gags wirkten gerade unter dem Gesichtspunkt, dass die Sache aus Amerika kam, sehr wagemutig auf uns, aber Beatrice Arthur hatte bereits 1973 in „Maude“ eine Frau gespielt, die eine Abtreibung vornimmt (die erste im US-Fernsehen). Wenn man heute die Wiederholungen auf dem Disney Channel sieht, kommen einem die „Golden Girls“ urgemütlich und auch ein wenig tutig vor – wenn auch viele der Gags bis heute funktionieren.
Bald kam „Al Bundy“, dessen Witz mir einstweilen frecher und konsequenter erschien, aber Beatrice Arthur blieb einer meiner Lieblinge.

In den „Golden Girls“ spielte sie die Lehrerin Dorothy, die ihren schrägen Mitbewohnerinnen etwas Vernunft entgegenzusetzen hat. Sie hat nie eine Verabredung und wird deswegen von den anderen – besonders von ihrer Mutter – ständig aufgezogen.
Nach sieben Jahren stieg Beatrice Arthur aus der Serie aus – sie hatte sich bei einer Mahlzeit zu Hause verschluckt und war nur knapp dem Erstickungstod entgangen. Das habe ihr klargemacht, wie endlich der Rest des Lebens sei.
Die Produzenten versuchten den Erfolg zu verlängern. Nach Dorothys Auszug gründen die restlichen Ladies ein Art-Deco-Hotel. Diese angestrengte Selbstparodie kam nicht über die erste Staffel hinaus.

Beatrice Arthur war von der Theaterlegende Erwin Piscator entdeckt worden, der dieses ungewöhnlich große, tiefstimmige Mädchen Klytämnestra und Lysistrata spielen ließ. Ihre wichtigste Lehrmeisterin aber sei Lotte Lenya gewesen, mit der sie 1954 in der „Dreigroschenoper“ am Broadway aufgetreten war. Trotz dieser hochkulturellen Grundlagen sah sie ihre Arbeit fürs Lachfernsehen als hehre Aufgabe an, denn die Komödie ist ja bekanntlich das Allerschwerste. Als sie der – wie üblich unendlich liebenswürdige – Alfred Biolek einmal mit verknoteten Beinchen vorsichtig fragte, ob die Sitcom für sie nicht doch ein Abstieg gewesen sei, gab sie streng zurück: „How dare you?“

Dieser Beitrag wurde unter Fernsehen, Kabarett und Comedy, Medienkunde, Musicalgeschichte, Popkultur, Portrait, Theater abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.