The Hippest Cat

betr.: 22. Todestag von Henry Mancini

Zu den größten internationalen Kino-Schlagern des 20. Jahrhunderts – Das 21. wird in diesem Zusammenhang keine Rolle mehr spielen, woll’n wir wetten? – gehört „The Pink Panther Theme“ von Henry Mancini.
Mancinis Kompositionen sind nicht zu zählen, und es sind einige Ohrwürmer darunter – „Moon River“, der Elefantenbaby-Marsch aus „Hatari!“ oder „Die Dornenvögel“, um nur drei weitere zu nennen. „Der rosarote Panther“ hat von allen die bewegteste Geschichte. Sie sei hier kurz wiedergegeben.

Pink Panther mit Autogramm_F
Autogrammstunde in Hollywood

Im Jahre 1961 begann Mancinis Karriere mit einem doppelten Paukenschlag. Er hatte bisher für einige Mutations-Horrorfilme des Paranoia-Kinos* Szenemusik komponiert und den Orson-Welles-Film „Touch Of Evil“ betreut, da heimste er auf einen Streich zwei Oscars ein: „Bester Soundtrack“ für „Breakfast At Tiffany’s“ und „Bester Song“ für „Moon River“ aus ebendiesem Film. Es war eine Filmmusik, die sich erstmals deutlich vom Tschaikowski-Idiom absetzte, ohne vollständig in den Jazz oder Rock’n’Roll abzutauchen. Sie balancierte genau dazwischen und hatte schon etwas von jenem lebensfrohen, federleichten Swing, der kurz darauf von jungen britischen Musikern in der Popmusik etabliert werden sollte.
In einer Szene des Films schleichen Audrey Hepburn und ihr Verehrer durch einen Laden, um etwas zu stehlen. Sie tragen Tiermasken. Darunter stampft eine nicht ganz ernstgemeinte Jazzmucke. Hier – so sollten später einige Filmhistoriker feststellen – kündigt sich der rosarote Panther schon machtvoll an.

1964 produzierten die Mirisch-Brüder eine Art Caper-Movie, gewissermaßen die abendfüllende Version des Ladendiebstahls aus „Breakfast At Tiffany’s“. Der Schurke war ein schnieker Gentleman-Ganove mit kleinem Bärtchen, der (selbstverständlich!) von David Niven gespielt wurde. Ihm war das Eröffnungsmotiv gewidmet – aber das merkte niemand mehr, als der Film herauskam. Die Filmemacher um den Regisseur Blake Edwards waren auf die Idee gekommen, dem titelgebenden „rosaroten Panther“, einem geheimnisvoll schimmernden indischen Diamanten, eine Trickfigur zu widmen. Dieser Vorspann war nach Meinung einiger Kritiker „witziger als der eigentliche Film“**. In jedem Falle war mitverantwortlich für die Fortsetzung der Filmreihe, als deren Held sich der schusselige Ermittler Clouseau emanzipieren sollte. „The Pink Panther Theme“ wurde seine Erkennungsmelodie, und Zeichentrickvorspänne kamen allgemein groß in Mode.

Noch vor Inspektor Closeau machte das Panthertier Solo-Karriere – zunächst in dem oscargekrönten Kurzfilm „The Pink Phink“ (auch 1964), bald darauf in einer TV-Reihe, in der unzählige solcher Panther-Cartoons mit Mancinis Saxophonthema (eigentlich Vorfilme fürs Kino) zu 25minütern zusammgefügt wurden. Ab 1973 lief diese Serie unter dem Titel „Der rosarote Panther – Zu Gast bei Paulchens Trickverwandten“ im ZDF-Vorabendprgramm. Der Synchron-Autor, -Sprecher und Regisseur Eberhard Storeck textete dazu eine Abspannmusik, die mit der berühmt gewordenen Frage begann: „Wer hat an der Uhr gedreht?“ und mit dem legendären Versprechen endete „Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder – keine Frage!“ Storeck dichtete auch eine Erzählerspur über alle Cartoons, von denen einige (nicht nur mich) geradezu an Wilhelm Busch erinnerten.

Feierabend-PaulchenAuch ohne Film wirkliche Poesie: Beginn eines gereimten Panther-Abenteuers von Eberhard Storeck.

Seither heißt der Panther – wenn auch nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz – Paulchen und das „Pink Panther Theme“ die Paulchen-Panther-Melodie. Es wird gelegentlich mit der Serien-Erkennungsmelodie von Fred Strittmatter verwechselt, der Instrumentalversion von „Wer hat an der Uhr gedreht?“

In den 70er Jahren nahm die Clouseau-Filmreihe Fahrt auf, und das „Pink Panther Thema“ lag unter immer neuen Trickfilm-Kinovorspännen – zuletzt mit Steve Martin als Clouseau. Es stieg als letzter Tune ins klassische Jazz-Repertoire auf und erlebte Dutzende Cover-Versionen. Der Autor Heinz Strunk machte es quasi zur Titelmusik seines Bucherfolges „Fleisch ist mein Gemüse“: die lausige Tanzkapelle, in der er seine picklige Landjugend zubrachte, spielt diese Nummer als Auftrittsmusik. Jetzt ist es amtlich: Mancinis Klassiker ist endgültig im Trash angekommen.

Im November 2011 wird der NSU öffentlich bekannt, der bis dato mindestens zehn Menschen ermordet und in selbstgebastelten Videoclips verhöhnt hat. Diese Videoclips basieren auf den Paulchen-Panther-Filmen und verwenden Bild- und Tonmaterial daraus mit rassistischen Verfremdungen.
Das ist ein herber Schlag sowohl für die schicke Raubkatze als auch für den Musiktitel. Das könnte sein Ende sein – möglicherweise.
Es könnte aber auch sein, dass Paulchen-Panther und seine Erkennungsmelodie auch diese Schändung überleben und weiterswingen. Oder -grooven. Oder fetzen.
Oja, es könnte sein.

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* siehe dazu den Blog vom 14. Oktober 2015
** Friz Freleng und David H. DePatie waren seine Schöpfer

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Eine Antwort auf The Hippest Cat

  1. Pingback: „Ich war das Funkemariechen des Medienbetriebs“ - Monty Arnold blogt.Monty Arnold blogt.

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