Broadway’s Like That (22): Das unzeitige Spätwerk

5. Mr. American Music – Irving Berlin (5) (Fortsetzung vom 17. August)

1945 sprang Irving Berlin für den unerwartet verstorbenen Jerome Kern ein, der ein Musical über die Scharfschützin Annie Oakley hätte schreiben sollen – wiederstrebend zunächst, weil er sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlte. Was Berlin dann schließlich schrieb, wurde eines der berühmtesten Musicals überhaupt: „Annie Get Your Gun“. Nach diesem Erfolg sah man 1949 Berlins nächstem Musical „Miss Liberty“ – es geht um das lebendige Vorbild für die Freiheitsstatue – mit großen Erwartungen entgegen, zumal der Pulitzer-preisgekrönte Dramatiker Robert E. Sherwood das Libretto geschrieben hatte. „Miss Liberty“ enttäuschte – trotz des patriotischen Beigeschmacks, den vor allem Berlins Vertonung der im Sockel der Freiheitsstatue eingravierten Verse dem Stück verlieh: „Give Me Your Tired, Your Poor“ („Gebt mir eure Mühseligen und Armen, eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren…“).*

Von den drei weiteren Broadway-Musicals, die Berlin nach „Annie“ noch an den Broadway brachte, konnte am ehesten „Call Me Madam“ aus dem Jahre 1950 an deren Erfolg anknüpfen, eine Politkomödie um eine Partylöwin, die von Präsident Truman zur Botschafterin in Luxemburg ernannt wird.

Berlin 100Selten erlebt ein Komponist die große Langspielplatte zu seinem 100. Geburtstag. (MCA / DECCA)

In seinen letzten Lebensjahren – den 1980ern – sah sich Irving Berlin mit einer Demütigung ganz besonderer Art konfrontiert, wie Jody Rosen ausführt:

„Er musste mit ansehen, wie die Urheberrechte an seinen ersten veröffentlichten Songs erloschen. Die Urheberrechte an diesen Liedern hatte er stets so knallhart ausgelegt, wie die Gesetze es nur zuließen; eisern verweigerte er jeden Abdruck seiner Texte, selbst, wenn ihm Freunde nur schmeichelhaft Tribut zollen wollten. Doch jetzt entglitten ihm seine Songs.“

Im Jahre 1981 stürmte der holländische Popstar TACO mit “Puttin’ On The Ritz” die Hitparaden.* Im Laufe der Aufnahme wird ein halbes Dutzend weiterer Berlin-Songs angespielt (außerdem ein Titel aus „Singin’ In The Rain“).  Es gab auf einen Schlag 500.000 Vorbestellungen für das Album zur Single – aber ein Album existierte noch gar nicht. Um die Wartezeit zu verkürzen, warf man erst einmal eine Maxi-Single auf den Markt: „Cheek To Cheek“, einen weiteren Berlin-Titel.

Forts. folgt
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* siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2016/07/26/broadways-like-that-18-white-christmas/

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