Simon Park – Kronprinz der Archivmusik

betr.: 89. Geburtstag von Jan Stoeckart (alias Jack Trombey)

In den 60er und 70er Jahren bildete sich auf den britischen Inseln eine Reihe von Factories heraus, die im Rahmen der Swinging Sixties den Kontinent mit einem frischen Wind aus Kreativität, Witz und Sex-Appeal besprühten. Nicht alle dieser Brainpools waren tatsächliche Räume, in denen die Künstler beisammensaßen und gemeinsam schufen – wie die Abbey Road Studios, in denen George Martin beileibe nicht nur die Beatles zu Höchstleistungen antrieb, oder die Ateliers der BBC, wo sich sechs junge Talente langsam zu „Monty Python’s Flying Circus“* zusammenfanden. Der bereits 1909 gegründete Verlag De Wolfe Music etablierte sich in jenen Jahren als erster Vertrieb für Archivmusik – vergleichbar der Tin Pan Alley am Broadway der Jahrhundertwende für Theatersongs –, förderte eine Unzahl von musikalischen Talenten und landete sogar einige Hits. Das Fernsehen bediente sich üppig bei De Wolfe, und da viele dieser Musiktracks auch auf Schallplatten verewigt wurden, können wir sie heute noch hören, auch wenn die Serien dazu längst aus den Archiven gelöscht worden sind.**
John Barry ist der Star unter diesen Künstlern, die (auch) Archiv-Musik machten. Von Ohrwürmern wie „Mit Schirm, Charme und Melone“ oder Petula Clarks „Downtown“ hingegen fällt den meisten von uns zwar die Melodie, aber selten der Name des Komponisten ein.
Einer dieser famosen Ungenannten ist Simon Park. Sein Album „Eye Level“ ist eine meiner Lieblings-LPs.

Simon Park kam im März 1946 in Market Harborough in Leicestershire zur Welt. Seine Schule, die Uppingham School in Rutland, hat eine lange musikerzieherische Tradition. Dort übte er fleißig Klavier und Orgel, die Grundlage für seine Studien am Worcester College in Oxford, die er 1967 abschloss. Seine Erforschung der klassischen Musik hatte Park als Mitspieler örtlicher Blues-Bands abgerundet. Nach dem Studium versank er für 18 schlimme Monate ganz und gar in jenem Schattenreich der gelegentlichen Berufsmusik, das wir durch das Buch „Fleisch ist mein Gemüse“ näher kennenlernen durften. Dann wurde er bei De Wolfe unter Vertrag genommen, und alles ging noch einmal gut.

Simon Parks größter Hit sollte die Ausarbeitung und Einspielung eines holländischen Kinderliedes von Jan Stoeckart werden. Unter dem Titel „Eye Level“ wurde es zur Titelmusik der Krimi-Serie „Van der Valk“ und landete als erste TV-Musik überhaupt auf Platz 1 der Charts. Insgesamt hielt es sich ein knappes halbes Jahr in der Top 40. Park komponierte hauptsächlich fürs Archiv und legte sich überdies eine Handvoll Pseudonyme zu, so dass ihn nicht einmal Kommissar Van der Valk ohne weiteres hätte aufspüren können. Immerhin hörte ich noch vor vier Jahren, er sei weiterhin aktiv und bewirtschafte ein „eindrucksvolles 24-Spur-Studio“ in Oxfordshire.

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* Für deren „Ritter der Kokosnuss“ komponierte unser Geburtstagkind Jack Trombey das Artus-Motiv „Homeward Bound“.
** siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2015/01/29/ignoranz-und-hoehere-gewalt-oder-der-mythos-vom-archivbrand/

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