Der kleine Klassiker

betr.: Das morgen erscheinende Hörbuch „Immer Ärger mit Harry“ von Jens Wawrczeck*

Der Film „The Trouble With Harry“ gehörte zu den persönlichen Lieblingsfilmen seines Regisseurs Alfred Hitchcock (als zweiter wird gern „Shadow Of A Doubt“ genannt), aber er führt doch ein Schattendasein. Für einen typischen Hitchcockfilm – was immer man genau darunter verstehen mag – ist er zu bunt, zu heiter, zu wenig Thriller. Auch die archetypische Blondine in Bedrängnis fehlt – die dunkelhaarige Debütantin Shirley MacLaine ist bester Laune und stets Herrin der Lage. Und doch zeigte Hitchcock allen Autoren seiner bald anlaufenden TV-Serie diesen Film, um ihnen zu illustrieren, welche Art von Humor er sich wünschte.

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Der Film markiert außerdem den Beginn seiner Zusammenarbeit mit dem Komponisten Bernard Herrmann. In den folgenden zehn Jahren sollten beide gemeinsam Filmgeschichte schreiben.
Der Soundtrack ist verspielt und völlig frei von jenen Abstürzen in den Irrsinn, die „Psycho“ und „Vertigo“ später zu (Filmmusik-)Klassikern machten, aber deshalb nicht weniger souverän und unterhaltsam – man könnte ihn sich auch in einer tschechischen Märchenproduktion vorstellen. Herrmann erstellte 1966 eine Suite daraus, gab ihr den Titel „A Portrait Of Hitch“ und spielte sie für sein berühmt gewordenes DECCA-Hitchcock-Album ein. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Künstler aber bereits heillos zerstritten.

„The Trouble With Harry“ ist weiterhin ein Film, in dem der Engländer Alfred Hitchcock sich wieder ganz wie zu Hause fühlen kann. Er präsentiert uns hier die Art von morbider Komik, die wir Deutschen von unseren Nachbarn jenseits des Kanals so gern einfordern – daran ändert auch die neuenglische Kulisse nichts. Die Charaktere sind genau die Sorte verschmitzter Alltagsmenschen, die auch im wichtigsten Beitrag Großbritanniens zum Komödienkino anzutreffen sind, den legendären Ealing-Comedies. Diese Komödien wurden von Michael Balcon produziert, der der erste Arbeitgeber des jungen Hitchcock in London gewesen war. Um die Zeit von „The Trouble With Harry“, Mitte der 50er Jahre, ging ihre glanzvolle Ära gerade zu Ende – immerhin mit einem Höhepunkt: „Ladykillers“.

Dreißig Jahre nach seiner Entstehung kam „The Trouble With Harry“  gemeinsam mit den vier James-Stewart-Hitchcockfilmen wieder ins Kino – nachdem alle fünf jahrelang für jegliche Auswertung gesperrt gewesen waren. Er wurde von der hiesigen Kritik mitunter nur in Nebensätzen der Tonlage abgefertigt „gar nicht mal so gelungen“ (siehe oben). Auch die Synchronfassung geriet deutlich liebloser als bei „Vertigo“ und „Fenster zum Hof“. Gewiß, das Programmumfeld war einschüchternd, aber dafür kann der Film ja nichts.

Um diese Erzählung in seine Hörbuchreihe aufnehmen zu können, beauftragte Jens Wawrczeck die Übersetzerin Miriam Mandelkow mit einer deutschen Bearbeitung. Diese ist inzwischen im Dörlemann Verlag als Buch erschienen.

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* „Immer Ärger mit Harry“ – Eine Erzählung von Jack Trevor Story, gelesen von Jens Wawrczeck, CD, 206 Minuten Spielzeit, Preis 14,95 € / Edition Audoba

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