Broadway’s Like That (39): Das Ende des „Golden Age“

13. Richard Rodgers mit Oscar Hammerstein II (6)

Das letzte Musical der nunmehrigen amerikanischen Institution Rodgers & Hammerstein war 1959 „The Sound Of Music“. Es geht auf den deutschen Film “Die Trapp-Familie” von 1956 zurück. Dieser bezog sich wiederum auf die Memoiren der wirklichen Maria Augusta von Trapp. Rodgers & Hammerstein mit ihren Musical Plays, musikalisch wie vom Sujet her stets der Operette nah, pflegen diese Beziehung in „The Sound Of Music“ vielleicht am deutlichsten. Für Amerikaner wäre schon der alpenländische Schauplatz ein Indiz dafür. Das Libretto stammte übrigens diesmal nicht von Hammerstein – er schrieb nur die Songtexte.

Die Geschichte um die singende Nonne Maria, die sich in bewegter Zeit um die sieben Kinder eines verwitweten Barons kümmert, ist uns heute in der späteren Filmversion mit Julie Andrews präsent, die im Jahr zuvor als „Mary Poppins“ mit einem ganz ähnlichen Part Erfolge gefeiert hatte.
Eine gewisse Sentimentalität brauche man einfach für diese Geschichte, meinte Rodgers. Einigen Kritikern war “The Sound Of Music” denn doch zu kitschig erschienen. Rodgers & Hammersteins Musicals schwelgen ohnehin nicht selten in Rührung oder Pathos. Hammerstein gab gerne zu, ein Gefühlsmensch zu sein: „An Gefühlen ist nichts Schlimmes, denn die Ereignisse, von denen wir uns rühren lassen, sind die elementaren Ereignisse des Lebens: die Geburt eines Kindes, der Tod eines Kindes, jemand, der sich verliebt. Ich kann nur mit Gefühl auf diese Grundereignisse reagieren – jede andere Reaktion ist nur Pose.“
Und Rodgers pflichtete bei: „Ich bin überzeugt, dass jeder, der bei Kindern, Heimat oder Natur nicht auch mal gerührt sein kann, nicht mit sich im Reinen ist.“

Nach dem Tod Hammersteins schrieb Rodgers (der 1979 starb) mit verschiedenen anderen Partnern weitere Musicals. Die Zeit der großen Erfolge aber war vorbei – wenn auch nur sein letztes „I Remember Mama“ ein kommerzieller Fehlschlag war.
Als das Jahrzehnt zuendeging, war nicht nur Oscar Hammerstein gegangen. Ein Großteil der alten Broadway-Garde zog sich aus Altersgründen oder Bequemlichkeit zurück (Cole Porter, Frederick Loewe), wegen nachlassenden Erfolges (Irving Berlin) oder schlicht, weil der sich wandelnde Zeitgeschmack – der Siegeszug des Rock’n’Roll war offensichtlich keine Phase sondern eine Tendenz – den Künstlern zuwider war (Harry Warren). Die neuen Autorenteams waren bei weitem nicht mehr so produktiv wie ihre älteren Kollegen, und keiner von ihnen verstand sich auf einen Sound, der als zeitgemäß oder gar modern durchgegangen wäre. Das erste Rock-Musical „Hair“ kam erst 1968 heraus, und es blieb lange ein Unikat. Ironischerweise verabschiedete sich der Broadway aus seiner glanzvollsten Zeit mit sehr nostalgischen Tönen.

Forts. folgt

 

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