Ein Krimi zum Lutschen

betr.: 62. Geburtstag von Rowan Atkinson / „Kommissar Maigret: Die Falle / Ein toter Mann“

Am kommenden Sonntag sendet die ARD den zweiten der beiden schon vorliegenden TV-Filme, in denen der bisherige Komiker Rowan Atkinson als Kommissar Maigret zu sehen ist. Nach dem Betrachten des ersten Films weiß ich, wie gut mir der zweite gefallen würde. Es geht hier ums Grundsätzliche.

Selbstverständlich ist die Vorlage großartig, und erwartungsgemäß meistert der Hauptdarsteller seinen Fachwechsel mühelos – zu keiner Zeit fühlt man sich in unbehaglicher Weise an Mr. Bean erinnert.
Und dennoch hatte ich keinen Grund zur Freude.
Dass die Geschichte „Die Falle“ in den 50er Jahren spielt – sie wurde schon mal mit Jean Gabin fürs Kino verfilmt – kommt der momentanen etwas heuchlerischen Sucht unserer TV-Redakteure und –Einkäufer nach nostalgischem Kitsch entgegen: alles so schön unschuldig hier. Natürlich hat das Zeitkolorit die üblichen Grenzen – kaum jemand raucht*, keiner der Herren macht eine zotige Bemerkung etc.
Jeder Büroraum, jede hinterste Ecke im Treppenhaus, jedes Café inklusive der Straße dazu ist poliert, geradegerückt und aufs Putzigste ausgeleuchtet. Alles sieht aus wie im Werbefernsehen. (Außer mir dürfte das kaum jemanden stören, denn die klebrige Farbdramaturgie, die für diesen Effekt so wichtig ist, hat sich längst allgemein durchgesetzt.)
Und dann die Besetzung! Viele Nebendarsteller sind ein wenig zu gutaussehend / zu schneidig / zu jung für ihre Rollen. (Am meisten schmerzt das beim Vorgesetzten des Kommissars und bei dessen Dienstherrn. Warum darf nicht wenigstens der ignorante Boss wuchtig und ein klein bisschen feist sein?)
Damit wir uns nicht missverstehen: nicht die Schauspieler sind schuld! Es ist das Besetzungsbüro!
Das passende Modewort lautet „cheesy“, aber es wird nur von Kinofreunden verwendet. Dieser „Maigret“ ist ebenso rundgelutscht und keimfrei wie die neu animierten Trickverwandten „Wickie“ und „Die Biene Maja“. Auf dieser Dienststelle kann man vom Boden essen.

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* Das ist seit den 50er nicht besser geworden. Der Psyhologe Walter Mischel in der SZ: „In Paris ist es schwer, einen Erwachsenen ohne Glimmstengel zu finden. Seit der Gesetzgeber das Rauchen in Restaurants verboten hat, liegen auf den Straßen noch mehr Kippen als früher.“

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