Der größte Klettermax

betr.: 29. Todestag von Klaus Havenstein

Als Synchronsprecher arbeitete er nur von Zeit zu Zeit, denn – ähnlich wie bei Walter Bluhm, der deutschen Stimme von Stan Laurel – war sein Organ so prägnant, dass es sich sofort in den Vordergrund spielte, auch wenn das nicht zur Rolle und zur Dramaturgie passte. Bei einer dieser raren Gelegenheiten bereicherte er die deutsch-amerikanische Folklore nachhaltig: als „King Louie“ im „Dschungelbuch“.
Wer Havenstein nicht nur hörte, sondern auch sah – im Kinderfernsehen der 70er, als Gründungsmitglied der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ oder als Dauergast in den Shows von Rudi Carrell – erblickte einen freundlichen Herrn, der mit seinem grauen Klobrillenbärtchen ein wenig wie ein Dorfschuldirektor aussah – ideale Voraussetzung für das Setzen von Pointen, wobei der Überraschungseffekt ja nicht unwichtig ist. Das veranlasste Carrell dazu, ihn neben Diether Krebs und Beatrice Richter ins unerreichte Gründungsensemble seiner „Tagesshow“ zu holen.

Der in Hamburg aufgewachsene Bühnen- und Fernsehschauspieler brachte das heute schwer vorstellbare Kunststück fertig, Kinder und Erwachsene gleichermaßen in die Tasche zu stecken.  Erstere beglückte er mit „Jeremias Schumpelhut“ oder „Sport, Spiel und Spannung“, für zweitere moderierte er im Bayerischen Rundfunk zwischen 1956 und ’74 fast alle Nachmittagsprogramme und wurde als „liebenswerteste Stimme des Senders“ gefeiert.
Wenige Tage vor seinem 76. Geburtstag starb Klaus Havenstein an Herzversagen, und das, obwohl er längst begonnen hatte, es ruhiger angehen zu lassen. Schon 1995 erklärte er: „Ich habe längst ein Alter erreicht, in dem man etwas weniger arbeiten mag.“

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