Die schönsten Filme, die ich kenne (19): „That Lucky Touch“

Roger Moore amtierte seit kurzer Zeit als Geheimagent 007, als ihn Dimitri de Grunwald für ein Original-Drehbuch zu begeistern versuchte. Als Bonus wurde ihm die Mitwirkung von Sophia Loren in Aussicht gestellt. Kaum hatte Moore unterschrieben, sagte die Loren ab. Wir wissen nicht, ob allein das Buch den britischen Star überzeugt hätte, aber es ist nicht auszuschließen. „That Lucky Touch“ ist eine erstklassige Screwball Comedy mit satirischen Untertönen, die als leicht frivole Klamotte verkleidet lautlos absaufen sollte; in Deutschland tat sie das unter dem dazu passenden Titel „Bleib mir ja vom Leib“.

Die pazifistische „Washington Post“-Reporterin Julia zieht nach Brüssel, wo ihr Ex-Schwiegervater als NATO-General stationiert ist. Mit ihrer Ex-Schwiegermutter (Shelley Winters) ist die alleinerziehende Julia noch immer befreundet, was der General ächzend akzeptiert hat. Julias neuer Nachbar ist der Waffenhändler Peter (Roger Moore), der wiederum dem General ein besonders übles Maschinengewehr andrehen will. Da sich die beiden so Grundverschiedenen nach den Gesetzen der Liebeskomödie bis zum Ende kriegen müssen, wird die Eitelkeit aller zur Schadenfreude des Publikums strapaziert.

Sieht man von einer entsetzlich flachen weiblichen Nebenfigur ab, der die wenigen missglückten Gags zufallen, spielt das Ensemble so gut geölt auf, als würde es seit Monaten gemeinsam auf der Bühne stehen. Shelley Winters glänzt in ihrem Hauptfach, dem mollig gewordenen (Puff-)Muttertier, das sich aus wilderen Zeiten eine offensive Sinnlichkeit und ein loses Mundwerk bewahrt hat. Auch die übrigen Beteiligten schenken einander nichts in ihren sexuellen, geschäftlichen und politischen Scharmützeln.

Das eigentliche Thema von „That Lucky Touch“ (Buch: John Briley) ist die Erkenntnis, dass natürliche Feindschaften uns nicht davor schützen, miteinander auskommen zu müssen – seien es jene zwischen Mann und Frau, Ost und West, Amis und Europäern oder schlicht zwischen Nachbarn. (Als lachende Dritte behaupten sich letztlich zwei Beduinen, die in einer Nachbarwohnung ihren Stützpunkt errichtet haben.) In dieser (ausgerechnet in Brüssel spielenden) Parabel über das Boot, in dem wir alle sitzen, fällt der klügste Satz, den ich je über die EU gehört habe (wenn er sich hier auch auf die NATO der 70er Jahre bezieht): „Bringen Sie mal eine Gruppe von Pferden gemeinsam zum Pissen!“

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