Broadway’s Like That (51): „Grease“

16. Neue Namen, neue Formen (3)

In gewisser Weise ist “Hair” eine Verkürzung der jugendlichen Subkultur und ihrer Forderungen nach Haschisch und freier Liebe, ihre Ächtung des Krieges und der bürgerlichen Leistungsgesellschaft zum Hippie-Digest für das bürgerliche Jeans-Publikum – sozusagen die Verknappung einer Verknappung. Spätestens mit seiner Ankunft am Broadway war die Subkultur damit selbst im Kommerz angekommen, die Hits von „Hair“ bildeten die Schlussfanfare der Bekehrung des Underground zum Overground. (Insofern ist die „Rocky Horror Show“, die einige Jahre später herauskam, das gelungenere Produkt, denn sie konnte ihre gesellschaftliche Schrägstellung in den Erfolg hinüberretten – doch wir wollen nicht vorgreifen.)

Wie „Hair“ widmet sich auch “Grease” von Jim Jacobs und Warren Casey dem Lebensgefühl von jungen Leuten. Es kam 1972 an den Broadway, nachdem es wie „Hair“ zunächst in einem Off-Broadway-Theater aufgeführt worden war. „Grease“ verklärt freilich nicht mehr das Lebensgefühl der eigenen Gegenwart, sondern wendet sich – Nostalgie und Ironie im Blick – den 50er Jahren und den Anfängen des Rock’n’Roll zu. Auch damals spielte die Haartracht als Ausdruck des Lebensgefühls eine große Rolle: die mit reichlich Pomade in Form gebrachte Entenschwanz-Frisur – eher komisch als provokativ. Hatte „Hair“ noch ein gewisses provokatives Potential besessen, so ergeht sich „Grease“ in reinem Vergnügen. Ein Vergnügen, zu dem vor allem die augenzwinkernd im alten Stil – dem des Rock’n’Roll der 50er Jahre – geschriebene Musik beiträgt.

Im Rahmen einer harmlosen „Boy Meets Girl“-Geschichte erfährt man, was die High School-Absolventen der 50er so umtrieb: ein Tanzwettbewerb etwa, bei dem man sich soeben zu einem Tanz mit dem Namen „Hand Jive“ anschickt.
Die beiden Songs, die sich als die größten Hits der Show erweisen sollten – „Hopelessly Devoted To You“ und „You’re The One That I Want“* – wurden erst sechs Jahre später für die Film-Version geschrieben.

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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2015/06/20/der-song-des-tages-die-wanne-ist-voll/
Forts. folgt

 

 

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