Die schönsten Comics, die ich kenne (13): „Der Flötenspieler“

„Der Flötenspieler“
(„Le Joueur de Flute“)
Text und Zeichnungen: Caza (Philippe Cazamayou), erschienen 1980 in „Métal Hurlant“, deutsch 1983 in „Schwermetall“ (Volksverlag), Übersetzung: Rüdiger und Daniele Böhm

Caza veröffentlichte seine Arbeiten ab 1976 in „Métal Hurlant“, einer Zeitschrift, die die Leserschaft mit „Comics für Erwachsene“ versorgte. Auch stilistisch pflegt er eine gewisse Nähe zu den weitaus bedeutenderen Magazingründern Moebius und Druillet. Das bei diesen stets präsente sexuelle Element tritt bei Cazas vier- bis zehnseitigen fantastischen Beiträgen (er gestaltete auch einige Cover und veröffentlichte Alben) in den Hintergrund. Bei allem finsteren Existenzialismus sind sie gewissermaßen jugendfrei. Das ist angesichts dessen, was sie über das Leben zu erzählen haben, nicht unpraktisch.

In „Der Flötenspieler“ wirft Caza einen besonders unversöhnlichen Blick auf den Homo Sapiens. Diese Geschichte liegt im Trend jener Zeit, da Öko-Themen sich einen festen Platz in der Popkultur eroberten. Doch sie macht es sich nicht so leicht wie die meisten Kunstwerke mit edler Botschaft. Gewiss, auch hier sind die „Menschs“ die größten Feinde ihres Planeten; sie haben ihn befallen wie eine Läuseplage. Doch Caza zeigt sie nicht beim Verschmutzen der Umwelt, beim Quälen oder Töten von Tieren und beim Abholzen von Wäldern. Die unbehagliche Präsenz dieser puddingfeisten Geschöpfe wird uns als ein Endstadium präsentiert, als Fait accompli. Ihr Gegenspieler, eine Art „Rattenfänger von Hameln“, ist der einzige, den wir einen kleinen Baum fällen sehen. Das einzig Positive an dieser bitteren, ausgemergelten Gestalt ist ihr Hass auf die Erdverwüster – und dass sie als Letzte die Musik repräsentiert, auch wenn sie sie als Waffe einsetzt.

“Der Flötenspieler“ ist, wie bei Caza üblich, eigentlich kein Comic, sondern eine Bildergeschichte mit Begleittext (wie auch der Klassiker „Prinz Eisenherz“). Der Text transportiert die ganze Geschichte. Allein die Pointe, das Opfer des zunächst scheiternden Titelhelden, ist so schauerlich, dass Caza die Worte fehlen und er sie uns nur auf der Bild-Ebene erzählt.

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