Broadway’s Like That (56): „You Oughta Be in Pictures“

18. Hollywood und der Broadway – Eine Hassliebe (1)

Das Verhältnis zwischen dem Musical der Ostküste, des Broadway, und dem der Westküste, also dem der Leinwand, hätte nicht problematischer beginnen können. Schon der „erste amerikanischen Tonfilm“ war ein Musical gewesen. Strenggenommen wurde darin sogar fast nur gesungen und nur außerplanmäßig kurz geredet (- der Tanz spielte noch keine Rolle). Damit begann eine für den Broadway in mehrfacher Hinsicht verheerende Entwicklung: Hollywood gab dem Publikum nun eine preiswerte Alternative zu den sündhaft teuren Theaterkarten, was umso schwerer wog, als zwei Jahre später die Große Depression hereinbrach und den Sparwillen weiter anfachte. Weiterhin zog der Film viele Talente aus New York ab, aus allen Breichen des kreativen Prozesses. Und obwohl von Anfang an originale Filmmusicals geschaffen wurden – in denen Effekte präsentiert wurden, die die erdenschwere Bühnentechnik (noch) nicht zu leisten imstande war – bediente sich Hollywood bald auch beim Repertoire des Broadway.
Es sollte Jahrzehnte dauern, bis sich diese Mechanik ins Gegenteil verkehren sollte. Anfang der 80er Jahre fanden mit „42nd Street“ und „Singin‘ In The Rain“ klassische Filmmusicals den Weg ins Theater. Dieser Trend hat sich fortgesetzt und findet seinen vorläufigen Höhepunkt in Disneys regelmäßiger Adaption alter Musikfilmerfolge.

Das Thema Hollywood hat es in Film- wie auch in Bühnenmusicals schon vorher gegeben. Als „Singin‘ In The Rain“ – das prominenteste Beispiel – 1951 entstand, bildete die Beschäftigung des Kinos mit sich selbst sogar schon so etwas wie ein egenes Genre.
Auch die klassischen siebenminütigen Cartoons, die sowohl bei Disney als auch bei den Warner Bros. zutiefst musikalische Produkte und häufig sogar um einen Song herumgestrickt waren, spielten gern in und mit der Traumfabrik.
Der Song „You Oughta Be in Pictures“ wurde 1934 zur inoffiziellen Hymne der Filmindustrie. Sechs Jahre später war dieser Slogan (in leicht veränderter Schreibweise) der Titel eines „Schweinchen Dick“-Cartoons. Das berühmte stotternde Ferkel steckt in einer Sinnkrise. Es bittet seinen Produzenten Leon Schlesinger, den Vertrag zu annullieren, um Karriere als Charakterdarsteller machen zu können. Er zerreißt ihn großzügig und lässt seinen Star gehen. Zum Ende der Einstellung beruhigt er das Publikum mit einem Augenzwinkern: „He’ll Be Back!“
Forts. folgt

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