Die schönsten Filme, die ich kenne (27): „Zwischen zwei Welten“

„Zwischen zwei Welten“ ist wie der Kultfilm und Klassiker „Casablanca“ ein Liebesdrama der Warner Brothers, das im Zweiten Weltkrieg entstand und diesen auch behandelt. Paul Henreid, wichtigster Nebendarsteller in „Casablanca“, spielt hier an der Seite von Eleanor Parker die Hauptrolle. Dieses Liebespaar, das gemeinsam Selbstmord begeht und sich auf eine seltsame Schiffsreise begibt, ist etwas fad, aber das übrige Ensemble – und „Zwischen zwei Welten“ ist ein Ensemblefilm* – macht das unbedingt wieder wett. Die Geschichte, für die wir heute das Wort Fantasymelodram finden würden, ist langsamer erzählt, als wir es gewohnt sind, aber der Plot ist atemberaubend.

Eine bunte Gruppe von Flüchtlingen ist glücklich, dem Bombenhagel Londons entkommen zu sein und sich auf einem Dampfer zu befinden, der sie nach Amerika bringen wird. Ihre Erleichterung ist so groß, dass ihnen ein paar Merkwürdigkeiten zunächst nicht auffallen. So ist das  einzige Besatzungsmitglied ist ein älterer Steward, der ihren Fragen ausweicht und sie immer wieder anhält, es sich bequem zu machen. Einzig ein Liebespaar ahnt, was hier gespielt wird: die Reise führt nicht über den Atlantik, sondern über den Styx.

Dass einige Figuren sich als tot herausstellen oder nur von einzelnen Lebenden gesehen werden können, hat sich nach und nach zu einem eigenen Genre unserer Popkultur entwickelt, gar nicht zu reden von den Untoten, denen ganze Serien gewidmet sind. “Between Two Worlds“ ist dennoch etwas Besonderes, denn hier sind praktisch alle schon weit weg von der Welt der Lebenden und wissen es nur noch nicht.
Die Kriegsjahre brachten einige Werke hervor, in denen ein gewaltsamer Tod, der jederzeit über den Betrachter kommen kann, zum Konzept gehört. Noël Cowards noch immer gespielte „Gespensterkomödie“ von 1941 ist eine heitere Reaktion auf diese Umstände, die uns heute wieder sehr vertraut sind.
Da US-Filme damals nicht ins feindliche Deutschland gelangten, wurden viele davon erst in den 70er Jahren fürs Fernsehen eingedeutscht – für kleines Geld, mit Kinderfunk-Geräuschen, Archivmusik (die in diesem Falle eine sinfonische Partitur von Erich Wolfgang Korngold ersetzt) und Synchronsprechern, die zu einem überzogen-altmodischen Spiel angeleitet und in einer topfigen Kabinen-Akustik abgemischt wurden, die jeden Realismus zunichtemachte. Bekanntlich verschont der Krieg auch Kunstwerke nicht.
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2014/09/14/eine-art-gesetzestreuer-fantomas/

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