Broadway’s Like That (61): Der letzte Mohikaner

17. Die Konzepte des Mr. Sondheim (1)

In den 60er Jahren kam ein Format in Mode, mit dem in den 40er Jahren schon Kurt Weill experimentiert hatte und das nun „Konzeptmusical“ hieß: der Verzicht auf eine linear erzählte Geschichte und konkrete Dekorationen, die Auflösung von Konflikten in symbolischen Sequenzen. Aus England kamen ein paar Erfolge an den Broadway, und mit „Cabaret“ wurde dort bald ein Klassiker vorgelegt. Als Meister dieses Fachs sollte sich in den 70er Jahren jedoch Stephen Sondheim entpuppen. Der hatte seinen Traum, als Songtexter und Komponist zu Ruhm zu gelangen, erst nach mehreren Anläufen verwirklichen können: sein mit 24 fertiggestelltes Erstlingswerk „Saturday Night“ kam nicht (bzw. erst mit gewaltiger Verspätung) heraus, weil ihm der Produzent verstorben war, seine ersten Meriten hatte er sich als Texter für ältere Meister verdient, dies allerdings auf beachtliche Weise: mit „West Side Story“ und „Gypsy“. 1962 hatte er mit der ausgelassenen Historienklamotte „A Funny Thing Happened On The Way To The Forum“ seinen ersten großen Auftritt als Texter und Komponist.

„’Forum’ hielt mich für viele Jahre über Wasser“ erzählte er, „denn obwohl es kein Hit am Broadway war, wird es Jahr für Jahr von Schultheatern, Universitäten und Laienspielgruppen aufgeführt. Die Gründe: ein kleines Ensemble, nur ein Bühnenbild, kein Kostümwechsel und jeder hat Gelegenheit zu glänzen. Es ist durch und durch fröhlich, trivial und für Kinder geeignet. Es gibt allerdings Orte, die es ablehnen, weil das Wort ‚Jungfrau’ auftaucht. Dies ist ein puritanisches Land, falls Sie es noch nicht bemerkt haben.“

Hier arbeitete Sondheim bereits mit dem Regisseur und Produzenten Harold Prince zusammen, der bereits „Cabaret“ betreut hatte und ihm als wichtigster Mitarbeiter für viele Jahre verbunden bleiben sollte.

“Company“ war 1970 ihr nächstes Projekt, ein Stück, in dem ein notorischer Junggeselle die Beziehungen seiner Freunde aufs Korn nimmt, die ihn allesamt unter die Haube bringen wollen. Obwohl der Held ein zuletzt ein Einsehen hat und beschließt, sich eine Frau zu suchen, kommt die Satire auf die Lebenslügen des modernen Großstadtmenschen gut heraus und funktioniert sogar noch fast 50 Jahre später, in der soziales Leben und Partnersuche in ganz andere Extreme aufgebrochen sind.
“Being Alive“ hat sich als Hit aus „Company“ etabliert, aber auch „The Ladies Who Lunch“ hat Karriere gemacht. Elaine Stritch machte den Song im Anschluss an ihr Broadway-Engagement zu ihrem Markenzeichen. Er ist wie die gesamte Show: albern, unterhaltsam und gleichzeitig überaus bitter.

Forts. folgt

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Eine Antwort auf Broadway’s Like That (61): Der letzte Mohikaner

  1. Pingback: Der Song des Tages: „In The Movies“ - Monty Arnold blogt.Monty Arnold blogt.

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