Rohe Späße – Echte Opfer

betr.: Das Wort zum Montag

Ich bin gewissermaßen ohne „Schweinchen Dick“ aufgewachsen.  (“Und immer schön fröhlich bleiben!“) Das bedeutet, dass ich den kleinen Burschen in meinen ersten Tagen als TV-Zuschauerchen noch kurz erblicken durfte, doch gleich danach kam die Ächtung durch den Direktor des ausstrahlenden Senders wegen zu großer „Brutalität“.
Das erschien mir aus zwei Gründen absurd, aus einem positiven und einem negativen. Der positive: Schweinchen Dicks Kollegen aus dem Warner-Cartoon-Ensemble – so Daffy Duck oder der noch erheblich hinterlistigere Bugs Bunny – blieben im Programm, und bei „Tom und Jerry“ ging es auf dem gleichen Sendeplatz später noch doller zur Sache. Der weniger schöne Grund war meine Einschulung und der Beginn einer jahrelangen Turnversagerkarriere, gegen die sich diese Trickfilme wie eine Woche der Brüderlichkeit ausnahmen.

In letzter Zeit muss ich oft an jenen Schweinchen-Dick-Bann vor 44 Jahren denken. Wieder haben wir es mit kurzen, boshaften Filmchen zu tun, die vor allem von Kindern und Jugendlichen geschätzt werden. Sie heißen Pranks und laufen – natürlich – im Internet. Hier sind es reale Menschen, die gedemütigt und teilweise traumatisiert werden, und diese sind nicht in der Lage, ihre Deformation sofort wieder abzuschütteln. (Für diese Fähigkeit war Schweinchen Dick damals besonders harsch kritisiert worden!)
Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass sich heute niemand dafür zuständig fühlt, uns mit der Lüge zu trösten, dieses Phänomen und seine möglichen Folgen ließen sich mit einem Verbot aus der Welt schaffen.
Na also: früher war doch nicht alles besser!

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