Broadway’s Like That (63): Flops und andere Tabubrüche

17. Die Konzepte des Mr. Sondheim (3)

Sondheim hat das Glück, das auch seine Flops (die etwa die Hälfte seiner Werke ausmachen) als künstlerisch hochwertig eingestuft, nicht vergessen und immer wieder aufgeführt werden, wenigstens konzertant. „Pacific Ouvertures“ gehört dazu, eine Show, die mit Elementen des japanischen Kabuki-Theaters arbeitet.
Produzent Hal Prince bezeichnet „Pacific Ouvertures“ als „eine unserer Lieblingsshows“, fügt aber vielsagend hinzu: „Danach machst du besser eine Show wie ‚A Little Night Music‘, um das Geld für die Investoren zurückzubekommen. Oder es wird keine nächste Show mehr geben.“

Diese nächste Show war der provokante „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“. Ähnlich wie der „Graf von Monte Christo“ kehrt der Held aus der Verbannung zurück, um Rache zu nehmen. Als das nicht glückt, tröstet er sich mit einer wahren Blut-Orgie, in deren Rahmen zahlreiche vollkommen Unschuldige zu Pastete verarbeitet werden.
Das ist ganz und gar nicht wie das federleichte „A Little Night Music“ und ein typisches Beispiel für Sondheims Besessenheit von der Idee, bei jeder seiner Arbeiten etwas zum ersten Mal zu tun. Einen so unsympathischen Helden hatte es im Musical in der Tat noch nicht gegeben. „Sweeney Todd“ wird dennoch häufig aufgeführt, besonders seit der Verfilmung durch Tim Burton (2007). Es fand seit seiner Broadway-Premiere 1979 immer wieder auch das Interesse von Opernhäusern. Nach erfolgreichen Präsentationen in Houston und an der New York City Opera stellte das Nationaltheater Mannheim das Stück 1999 in einer deutschen Übersetzung vor.
Die Übertragung eines Musical-Librettos ins Deutsche ist immer heikel und eine Herausforderung, besonders bei so spitzfindigem Material wie es Sondheim schreibt.
Der Meister selbst steht solchen Bearbeitungen skeptisch gegenüber, denn „die Musik eines jeden Landes ist ein Spiegel seiner Sprache“.
Arthur Laurents wird noch deutlicher: „Bei aller Liebe: ich glaube, höchstens Rocksongs könnte man übersetzen, denn die sind eindimensional. Sondheim kann man nicht übersetzen. Ich habe ‚West Side Story‘, die nicht so kompliziert ist, einmal auf Deutsch gehört, und es war unfreiwillig komisch.“

Forts. folgt

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Eine Antwort auf Broadway’s Like That (63): Flops und andere Tabubrüche

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