Die schönsten Filme, die ich kenne (32): „Ein Mann geht durch die Wand“

Im Jahre 1959 brachte ein Filmprojekt Heinz Rühmann mit Kollegen zusammen, die er schon von „Es geschah am hellichten Tag“ kannte: den Regisseur Ladislao Vajda und die kleine Schauspielerin Anita von Ow. Der Film hieß „Ein Mann geht durch die Wand“, und er ist auf seinem Terrain – feinsinnige Komödie mit fantastischem Einschlag – etwa so gelungen wie der Psychothriller des Vorjahres auf dem seinigen. Heinz Rühmann hat im Laufe der Geschichte einen seiner berühmten moralinsauren Gefühlsausbrüche, aber der ist schnell vorbei und außerdem der einzige Fehler, den sich „Ein Mann geht durch die Wand“ zuschulden kommen lässt. Der Film basiert auf der Novelle „Le passe-muraille“ und wurde unter diesem Titel in den 30er Jahren bereits mit Bourvil verfilmt. Kürzlich kam noch ein Remake heraus.

Der unverheiratete Finanzbeamte Buchsbaum ist ein netter Langweiler aus dem Bilderbuch – er sammelt sogar Briefmarken. Eines Tages macht er eher zufällig die Feststellung, dass er durch Wände gehen kann. Diese Superkraft ermöglicht ihm, allerlei Unfug anzustellen – z.B. einen nächtlichen Einbruch in ein Warenhaus – und kommt ihm sehr gelegen, als er sich seines neuen Chefs erwehren muss (ein sadistischer Kommisskopp, der mit Hubert von Meyerinck ideal besetzt ist). In einer besonders wichtigen Angelegenheit hilft Buchsbaum diese Fähigkeit aber zunächst nicht weiter: er hat sich in seine neue Nachbarin verliebt, eine Ausländerin mit kleiner Tochter …

Ohne je zu deren schriller Tonlage aufzulaufen, hat “Ein Mann geht durch die Wand“ die Wertigkeit solcher Rühmann-Vorkriegskomödien wie „Florentiner Hut“ und „13 Stühle“ und ist unzweifelhaft das am besten gealterte Lustspiel dieses Schauspielers aus der Wirtschaftswunderzeit. Aus den vielen Details, für die sich die Macher dieser Produktion die nötige Zeit genommen haben, möchte ich eines Herausgreifen, weil es so selten anständig erledigt wird. Die Nachbarin des Helden ist Französin und spricht sehr schlecht Deutsch. Ihr händeringendes Radebrechen ist meisterlich umgesetzt und sehr komisch, ohne dass die Figur dabei verraten wird.
Eine weitere Rarität ist die angenehm portionierte Fehlbarkeit des Rühmann-Charakters, während seine Rollen üblicherweise als erbarmungslos verschmitzte Übermenschen angelegt sind, die einem fürchterlich auf die Nerven gehen. Es bedarf eines magischen Vorgangs, der ganz plötzlich auch wieder verschwindet, um ihm die letzten, aber entscheidenden Meter zum Glück freizuräumen.
„Und täglich grüßt das Murmeltier“ – vielmehr: es lässt grüßen.

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