Keine Angst

betr: 33. Todestag von Richard Burton

Nach seinem Auftritt im ersten Breitwandfilm war der junge Richard Burton für die Presse zunächst dieser „struppige Waliser“. Als er 12 Jahre später in „Blick zurück im Zorn“ auftrat – in einer Rolle, für die er schon etwas zu alt war -, beschrieb man ihn als „Mannskerl, rüpelhaft und galant zugleich“. Er erschien den Kritikern in „Der Spion, der aus der Kälte kam“ als „stiller, überlaufender Tümpel, der beunruhigend tief ist“ und zu „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ bemerkten sie: „Er spielt, was er auch im Leben ist: ein Polterer und Alkoholiker, der mit seinem lautstarken Gebaren etwas überspielen muss, das nur Angst sein kann“. Seine letzte Frau Sally meinte später zu dieser Unterstellung: „Angst? – Vergessen Sie nicht, dass er ein sehr guter Schauspieler war!“
Im Zusammenhang mit „Cleopatra“ brüstete sich Richard Burton, „das alles nur fürs Geld“ zu tun – und betonte damit nebenbei deutlich, dass er zu den wenigen gehörte, die an diesem Kolossalflop verdient hatten.

Richard BurtonEin großer Schauspieler wendet sich zum Gehen.

Als sein letzter Film in die Kinos kam, war Richard Burton bereits überraschend gegangen: „1984“. Die dystopische Vorlage von George Orwell, die im Jahr ihres kalendarischen Eintreffens als Buch und (neuerliche) Verfilmung wiederentdeckt wurde, hatte er angeblich schon Ende der 40er Jahre gelesen und ihre Bedeutung erkannt. Das könnte ein Reklamespruch gewesen sein, aber nachdem wir inzwischen die Burton-Tagebücher lesen durften, sind wir geneigt, ihm zu glauben.
Richard Burton wollte in diesem Jahr, das sich als sein letztes herausgestellt hat, nur einen Film drehen, aber etwas stimmte ihn um: “Eigentlich sollte ein anderer den O’Brien spielen, aber der wurde krank. Sie waren verzweifelt, und auf meine Frage sagten sie mir, dass John Hurt den Winston Smith spielen würde. Ich sagte: Prima, ich mach’s! – weil ich ihn sehr bewundere. Er ist meiner Meinung nach einer der besten Schauspieler der Welt!“
Hurt war in jedem Falle der größte Schmerzensjesus der Leinwand und ideal für die Rolle des armen Würstchens, dass von Burtons O’Brien gefoltert wird.
Als Richard Burton von seiner Presseabteilung noch um ein paar persönliche Statements zum politischen Sujet der Geschichte gebeten wurde, fielen ihm wahrhaft immergrüne Sätze ein: „Ich traue keinem, fast keinem Politiker. Höchstens einer oder zwei davon sind in Ordnung und sagen die Wahrheit – manchmal.“
Es war die Zeit der Thatcher-Regentschaft, aber was bedeutet das schon?

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