Die schönsten Filme, die ich kenne (41): “Lion Down“

In den 30er Jahren war Walt Disney der regierende Bürgermeister des 7minütigen Trickfilms vor dem Hauptfilm im Kino, doch dann bekam er mächtig Konkurrenz. Die Warner Bros. machten ihm mit Bugs Bunny die Oscars streitig, einem hochgradig pubertierenden Karnickel, um das sich ein ganzes Ensemble schräger Figuren etablierte. MGM, „das Studio, das mehr Stars unter Vertrag“ hatte, „als Sterne am Himmel stehen“, zeichnete noch Katz und Maus dazu und ließ mit ruchlosen Jagdszenen und Zerstörungsorgien, die an Laurel und Hardy erinnerten, Micky und Donald recht lahm aussehen.
In jenen Jahren schaffte es ein Disney-Cartoon, zu dieser Anarchie aufzuschließen: „Lion Down“ (1951) mit dem sanftmütigen Goofy in der Hauptrolle. Ohne die Anzüglichkeit der „Looney Tunes“ und die Violenz von „Tom und Jerry“ erzeugt er einen frechen Dadaismus, den man eher von Tex Avery erwartet hätte.

Goofy bewohnt ungewöhnlicherweise einen herrlichen Dachgarten über der Stadt, auf dem sogar ein Baum wächst. Um seine Hängematte nutzen zu können, braucht er jedoch noch einen zweiten. In einer atemberaubenden Luftaufnahme sehen wir ihn in ein nahegelegenes Waldgebiet fahren, dort einen Baum entwurzeln und ihn in sein Penthouse transportieren.
Abgesehen von der Verwüstung der unteren Nachbarwohnung, an der wir nur am Rande teilhaben, macht ihm das Einpflanzen des erbeuteten Prachtstücks keine Mühe, und eine Minute später schaukelt Goofy in seiner Hängematte. Leider hat er übersehen, dass im Blattwerk ein Berglöwe schlummerte, der nun ebenfalls auf die bequeme Hängematte reflektiert. Im nun ausbrechenden Kampf wird sich nichts geschenkt und Hausherr und Tier mehrmals vom Dach in die Tiefe geschubst.

“Lion Down“ ist die Apotheose des gezeichneten Slapsticks und hätte einen Ehrenplatz neben Gipfelleistungen des Trickfilms wie „One Froggy Evening“ verdient. Der Betrachter wird in einen seltsam behaglichen Strudel des Unfugs hineingezogen. Regisseur Jack Kinney spielt hier mit dem gleichen Prinzip, das später Loriot in seinem „Lottogewinner“-Sketch erfolgreich zur Anwendung bringen sollte: der Erzeugung von Komik durch die ständige Wiederholung kurzer akustischer Signale. In diesem Falle sind es drei  Elemente, die sich zu einem rotierenden Jinglesalat vermischen: Goofys Türglocke, das Fauchen des Löwen und der berauschte Jodler beim Sturz in die Häuserschlucht.

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