Die schönsten Comics, die ich kenne (19): „Das Pan-Elixier“

Die kleinen Waldläufer: Das Pan-Elixier“ von Berck (Arthur Berckmans), veröffentlicht in „Fix und Foxi“ Nr. 37 – 42/1974; Niederländisches Original: „De Donderpadjes: Het Pan-Elixir“ in „Sjors“ und „Zonneland“ (1973), französisch neu verlegt bei „La vache qui médite“ (2013)

Im Gegensatz zu vielen anderen frankobelgischen Comicserien, die mit „Fix und Foxi“ zu uns kamen, gaben „Die kleinen Waldläufer“ nur ein kurzes und folgenloses Gastspiel. 1974 waren sie mit zwei Fortsetzungsgeschichten vertreten: „Ärger mit Mutter Monster“ (die auch als Album vorgelegt wurde) und „Das Pan-Elixier“. Besonders zweitere war nicht ohne.

Der dicke Jumbo ist mit der Verpflegung bei den Waldläufern unzufrieden. In einem Antiquariat ersteht er ein altes Kochbuch und braut nach einem der Rezepte eine Limonade, die er sich selbst nicht zu kosten traut. Glücklicherweise kommt das eifrige und vorbildliche Karlchen zu Besuch und probiert das Gesöff. Danach verschwindet er – in erregter Stimmung und unter schrillem Gelächter.
Bald darauf häufen sich im Dorf und in der Umgebung merkwürdige Vorfälle. Ein Waldschrat treibt offensichtlich sein Unwesen – und Karlchen ist spurlos verschwunden.
Die Waldläufer befürchten einen Zusammenhang und machen sich auf die Suche nach ihrem Kameraden.
Sie finden ihn – mit Hufen an den Füßen und Hörnchen auf dem Kopf. Ehe er entwischt, erklärt er seinen Freunden, dass er sich in seiner neuen Rolle sehr wohlfühlt und darauf pfeift, von ihnen „gerettet“ zu werden.
Doch damit nicht genug der Probleme: ein durchgeknallter Altertumsforscher namens Justus Jüsebohm will den kleinen Kerl einfangen, in dem er eine Wiedergeburt des Hirtengottes Pan erblickt, und auch ein Herr von der Yellow Press besucht den Ort.
Im besagten Antiquariat erfahren die Jungs, dass Karlchen nur durch ein Gegenmittel zurückverwandelt werden kann, dessen Rezept in einem anderen Kochbuch steht …

Ausgerechnet Karlchen, ein Streber, der in der Pfadfindertruppe etwa das Rollenfach des Brillenschlumpfs innehat, wird zum Anarcho und kehrt Dorf- und Vereinsgemeinschaft den Rücken, um im Wald zu leben und den Bürgern (am liebsten Rowdies und Umweltsündern) Streiche zu spielen. Eine solche Story darf in einem Jugendmagazin nur ein Ende nehmen: alles muss wieder zurechtgerückt werden. Doch der flämische Comickünstler Berck (er hat zeitweise für Rolf Kauka das Weltraumabenteuer „Mischa“ gezeichnet) holt an Anarchie aus dieser Sache raus, was rauszuholen ist. Der langhaarige, freche Mr.-Hyde-Karl ist glücklicher als die gekämmte, brave Jekyll-Version. Er genießt seine Ungebundenheit, seine Nacktheit (die haarigen Bocksbeine verhüllen alles Indezente), seinen Abstand zu Elternhaus und Vereinsmeierei. Während sich die meisten Waldläufer quasi aus Prinzip um seine Resozialisierung bemühen, ist immerhin der rothaarige Möhre der Meinung, man sollte ihn in Ruhe lassen – Möhres Vater ist der im Dorf allseits belächelte Pfadfinderhauptmann Bohnekopp, ein fieser Familientyrann.
Im Rahmen eines nächtlichen Rituals, das etwas von einer aztekischen Opferzeremonie hat, wird Karl wieder entzaubert.
Doch es gibt Hoffnung! Auf dem letzten Bild des Abenteuers zieht Möhre in Erwägung, das Pan-Elixier gelegentlich nachzukochen.

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