Die schönsten Filme, die ich kenne (48): „Der Schwimmer“

betr.: 23. Todestag von Burt Lancaster

Burt Lancaster war klug genug, frühzeitig mit dem Spielen von Altersrollen zu beginnen und hat in seinem Spätwerk eine entsprechend prächtige, vitale Figur gemacht. Während Lancaster in den Filmen Luchino Viscontis alte Löwen spielte, stellte er sich in den USA einem spitzfindigen Herzensprojekt. Der Film „Der Schwimmer“ ist nicht nur ein Gegenentwurf zu diesen Altersrollen, er kommentiert auch Lancasters bisherige Karriere als strahlender Leading Man in Hollywood und das männliche Selbstverständnis an sich.
Die Geschichte ist eine Novelle aus der gehobenen Mittelklasse mit einem phantastischen Twist.

Schwimmer_LancasterEr ahnt es noch nicht, aber er ist auf dem Weg in die „Twilight Zone“: Burt Lancasters Auftritt zu Beginn von „Der Schwimmer“ (Columbia Pictures). Der Film entstand schon 1966, kam aber erst zwei Jahre später heraus und ging – pardon! – augenblicklich unter.

Der Überflieger Ned beschließt an einem Sonntagmorgen bei Freunden, alle Pools zu durchschwimmen, die zwischen deren und seinem Grundstück liegen. Am Abend will er sich von seiner Frau und seinen Töchtern als Champion der Familie feiern lassen. Nachdem Ned sich erst einmal aufgemacht hat, nimmt er die Sache sehr ernst, hat es eilig, verschmäht alle Drinks und widersteht allen Einladungen, doch noch etwas zu bleiben. Im Laufe seines Trips werden die Gesichter an den Beckenrändern immer unfreundlicher, und unser Held beginnt sich zu wundern. Doch er setzt seinen Weg fort. Der Zuschauer ahnt es zuerst: unser Held befindet sich in einer Allegorie …

Der demografische Wandel bringt es mit sich, dass mehr als je zuvor über die Vergänglichkeit des Daseins geredet, nachgedacht, geschrieben und geblödelt wird, und stets geht es hier um die Demütigungen des Verfalls und seiner Folgen. „Der Schwimmer“ deutet diesen Aspekt nur an und stellt die Metamorphosen der Seele in den Vordergrund. Dieser Film gehört zum Feinsinnigsten, was die Schönen Künste zum Thema Älterwerden hervorgebracht haben. Die Künstler sind – neben Lancaster, der die unselige Transformation ohne maskenbildnerische Hilfe geradezu physisch spürbar macht – der Autor John Cheever (der in den vergangenen Jahren vorübergehend wiederentdeckt und erstmals erschöpflich auf Deutsch verlegt worden ist) und die Drehbuchautorin Eleanor Perry, die aus Cheevers praktisch dialogfreier Kurzgeschichte einen abendfüllenden Film entwickelte.

Swimmer FDieses ist das erste Filmmusik-Credit für Marvin Hamlisch, der als Songschreiber in Hollywood wie auch am Broadway noch von sich reden machen sollte.

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