Hans Christian Andersen für Schallplattenfreunde

Betr.: 113. Geburtstag von Moss Hart

Das Filmmusical „Hans Christian Andersen und die Tänzerin“  kam Anfang der 50er Jahre an seinem Schauplatz nicht gut an. Arne Sorensen, einer der führenden dänischen Kritiker, klagte: „Es wird den dänischen Ableger des ‚United States Information Service‘ 50 Jahre kosten, den angerichteten Schaden wieder gutzumachen. Es ist ein unverzeihlicher Fauxpas, Dänemark wie ein Fürstentum der ehemaligen deutschen Besatzer aussehen zu lassen.“
65 Jahre später, bei einem Ausflug nach Kopenhagen, konnte ich kürzlich feststellen, dass das Werk dort komplett unbekannt ist – zumindest bei den heute 25-30jährigen. Das gilt auch für den populärsten Song daraus: „Wonderful Copenhagen“, früher immerhin so etwas wie eine Fremdenverkehrshymne.

„Hans Christian Andersen“ hatte 14 Jahre lang bei Sam Goldwyn von einer Rohfassung zur nächsten geschleppt, bis Moss Hart es in eine den Produzenten befriedigende Form brachte. Sein Drehbuch machte aus dem dänischen Nationaldichter einen Heterosexuellen, der seine berühmten Märchen aus dem eigenen Leben schöpft. Für den Filmdienst, der ihn grundsätzlich mag, „entfernt sich der Film“ aber auch „vom inneren Gehalt der Andersen-Märchen“.

Insgesamt zog sich die Musik am besten aus der Affäre. Die Vertonungen einiger Andersen-Geschichten funktionierten sogar ohne den Film als reine kabarettistische Schallplattentitel. Eine besondere Karriere mache der düster-schräge Song „The Inchworm“: als Rhythmusbett dienen ihm die Einmaleins-Übungen einer Schulklasse. Der Raupen-Song wurde oftmals gecovert, und in den TV-Produktionen von Jim Henson erlebte er geradezu ein Power Play. Mehrmals wurde er in der „Sesamstraße“ und in der „Muppet Show“ präsentiert, einmal vom Original-Interpreten Danny Kaye.
Der Arrangeur Walter Scharf, der die Songs von Frank Loesser in eine sinfonische Partitur zu übertragen hatte, bekam die Aufgabe einen Rekord aufzustellen. Als Scharf ermittelte, das bisher längste Ballett in einem Film sei jenes 14minütige Finale von „An American In Paris“, verlangte und bekam Sam Goldwyn für seinen Film ein 18minütiges „Mermaid Ballet“.

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