Schmuck aus Familienbesitz

betr.: 94. Jahrestag der Operettenpremiere „Die Perlen der Cleopatra“ im „Theater an der Wien“

Lange bevor sie die Cleopatra spielte, sah Fritzi Massary die berühmte Königin in einem Wiener Cabaret als französisches Schattenspiel mit Musik. „Cleopatra, ja, das wäre eine Figur für mich!“ will die Massary damals gedacht haben. „Aber nicht tragisch genommen, mit gebrochenem Herzen, sondern graziös und frivol – eine Königin, nicht volkstümlich und naiv, sondern aufreizend, sündig, voller Geist, eine kapriziöse mondäne Lebe- und Luxusdame.“
Damit hatte sie ziemlich genau das Image beschrieben, das sie später zu einer Berliner Legende machen sollte.
Und mit dieser Rolle schaffte sie im Frühjahr 1924 ihren Berliner Durchbruch, nachdem sie Monate zuvor in Wien damit gescheitert war: „Die Perlen der Cleopatra“ war ihr auf den Leib geschneidert worden und nach acht Wochen in der Versenkung verschwunden. Dass es in Berlin so viel besser funktionierte, soll am jungen Hans Albers gelegen haben, der für 20 Mark Abendgage den Marc Anton gegeben hat.

Es fehlte nicht viel, und Fritzi Massary hätten den Part der Pharaonenkönigin doch einmal „tragisch genommen“. Fritz Kortner begeisterte sich für die Idee, sie, deren Schauspielkunst in der Operette alles andere überragte, einmal im Drama einzusetzen. Er überredete sie, es in der nächsten Saison unter seiner Regie zu versuchen.
„Ich sagte ihm, ich hätte noch niemals Shakespeare gespielt,wie sollte ich mich dann an Cleopatra wagen?“ verriet die Massary ihrer jüngeren Kollegin Lilli Palmer. „Aber er kam mit dem Buch und las mir ein paar Szenen vor, da konnte ich einfach nicht widerstehen. Am Ende war ich genauso begeistert von der Idee wie er. Die Presse wurde informiert, Plakate gedruckt und das Datum für die Proben festgelegt. Aber vorher fuhr ich meine Mutter besuchen. Du weißt doch, wie Mütter sind. Ich mochte meine gern, aber sie ging mir auf die Nerven. (…) ‚Sag mal, Fritzi‘, sagte sie, ‚ist das wahr, was in der Zeitung steht, du wirst die Cleopatra spielen? Oder ist das nur Pressequatsch?‘ Ich merkte, wie ich wieder nervös wurde, aber ich antwortete so ruhig wie möglich: ‚Nein, Mama, das ist kein Pressequatsch, ich werde die Cleopatra spielen.‘“ Ihre Mutter gestand ihr, dass sie sich den Shakespeare aus der Leihbücherei geholt hatte. „Ja, also, Fritzi, da kommt doch die Szene, weißt du, am Schluss, wenn die Schlange die Cleopatra in den Busen beißt …“ – „Ja – und?“ – „… also wenn du die spielst, die Cleopatra, und die beißt dich – also, da werden doch die Leute lachen, meinst du nicht?“
„Ich saß ganz still“, schloß die Massary ihre Geschichte, „und dann ging ich ans Telefon. Ich rief Kortner an und sagte ihm, es täte mir leid, aber … Und dann haben sie schnell die ‚Lustige Witwe‘ angesetzt.“

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