Heitere Halunken

betr.: 190. Todestag von Wilhelm Hauff

Die Kurt-Hoffmann-Filmkomödie „Das Wirtshaus im Spessart“ hat mit dem gleichnamigen Märchenzyklus von Wilhelm Hauff außer Titel und Schauplatz nichts gemein. Sie gehört zu der Handvoll Filme vor 1999, die regelmäßig im Fernsehen gezeigt werden (zumeist im Tagesprogramm der ARD-Dritten) und zum zuendegehenden Genre der Tonfilmoperette. Mit verlängertem Repertoire machte Komponist Franz Grothe 1977 eine Bühnenshow daraus, die ausdrücklich als „Musical“ verkauft wurde.

Wirtshaus im Spessart FDer Größe nach eine Single-Schallplatte, inhaltlich schon eine EP mit einem Querschnitt durch die Filmmusik von „Das Wirtshaus im Spessart“

Seit dem Erscheinen der Schallplatte zum Film hat sich die Situation der Filmmusik und ihrer Rezeption mehrfach gewandelt, so dass die Einschätzung aus den Liner-Notes des Großkritikers Friedrich Luft inzwischen wieder zutrifft:

Filmmusik führt meist ein Dornröschendasein. Man hört sie; doch man nimmt sie eigentlich nicht recht wahr. Sie hat ihre stützende, betonende, schmückende Aufgabe. Aber wenn man über Musik im Kino die Handlung, das Spiel, das auf der Leinwand Sichtbare vergäße, wäre es schlechte Filmmusik. Sie soll dienen. Um ihrer selbst willen hört man sie selten. Ausgenommen bei Musikfilmen, Operettenfilmen oder Film-Musicals. Da tritt die Komposition nach vorn (…). Solche Musik kann und soll auch auf sich gestellt wirken.

Ein besonders großer Hit wurde das Duett der Räuber Knoll und Funzel, die von einem bürgerlichen Leben träumen, gespielt vom unzertrennlichen Kabarett-Duo Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller.
So knuffige Gesellen treten in Hauffs Schauergeschichte nicht auf. Der Räuberhauptmann der literarischen Vorlage bessert sich erst nach dem Ende des Abenteuers und dient zuletzt „als braver Soldat dem König von Neapel“.

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