Der Song des Tages: „A Few Words in Defense Of Our Country“

betr.: 74. Geburtstag von Randy Newman

In den USA gilt Randy Newman zuallererst als Zyniker, als Spötter, der mit angemessenem Sarkasmus auf sein Land blickt. Hierzulande wird er in erster Linie als Musiker wahrgenommen. Das stimmt beides. Seit den frühen 80ern schreibt der Spross einer großen Filmmusikerfamilie Soundtracks, bereits seit den 60ern ist er Songschreiber – zunächst für andere, bald auch für den Singer-Songwriter Randy Newman. Sein erstes eigenes Album von 1968 ging noch völlig unter, dann ging es aufwärts.
Ein Musical-Komponist ist Newman seltsamerweise nicht – trotz seiner jüdischen Herkunft, obgleich er sich auf die dem Genre innewohnenden alten Musiktraditionen bestens versteht und obwohl der Rollen- bzw. Charaktersong seine bevorzugte Liedgattung ist. Unser Sprachgebrauch hält für so jemanden die Schublade des Chansons bereit, was es ganz gut trifft. Dazu passt die erwähnte Spottlust, die aus enttäuschter Liebe strömt (siehe unten). Dazu passt auch, dass man als Kabarettist nicht zwingend eine schöne Singstimme braucht, und eine solche hat Randy Newman auch nicht – worüber er selbst sich zuallererst lustig macht. 2013 wurde er trotzdem in die „Rock’n’Roll Hall Of Fame“ aufgenommen.

Weitgehend unwillkürlich, aber nicht ohne Gefühl für den Augenblick sei heute der Song „A Few Words in Defense Of Our Country“ herausgesucht. (Obwohl das Heraussuchen nur eines Songs bei einem solchen Individualisten immer gefährlich ist.) Er entstand nach einer Europa-Tournee, auf der Newman die wachsende Ablehnung gegenüber seiner Heimat gespürt hatte. Er gibt darin zu, dass die Politiker seiner Heimat noch nie zuvor so mies waren. Und doch sind sie gewiss nicht die schlimmsten, die diese arme Welt schon gesehen hat. Gab es da nicht einmal einen Cäsar, der sein Pferd zum Konsul (so etwas wie ein Vizepräsident) des Imperiums ernannte? Ach, das Beispiel ist gar nicht so gut, gab es doch auch Vizepräsidenten, die das Denken lieber den Pferden (denen mit den größeren Köpfen) überlassen hätten: Richard Nixon, Spiro T. Agnew, George Bush, Dan Quayle. Über Bösewichter wie Hitler, Stalin und so sind sich natürlich alle einig. Doch es gab auch einen König Leopold von Belgien, der als ein großer Monarch gilt, obwohl er sich den Kongo unter den Nagel riss, ihn ausraubte und Kongolesen nichts als die Malaria gelassen hat.* Sehen wir uns mal die Neuzeit (im Jahre 8 vor Trump) an. Da sitzen im obersten Gerichtshof der USA zwei junge Italo-Amerikaner und ein Schwarzer. Und was haben wir davon? Die beiden italians sind die verklemmtesten Arschlöcher weit und breit, und der schwarze brother ist ein Schoßhund der Weißen. Das lässt für den Dichter nur einen Schluss zu: die USA werden untergehen wie die Imperien vor ihnen. Dieses Imperium treibt hilflos im Meer wie einst die spanische Armada, im land of the free und home of the brave.
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* Vor diesem Hintergrund spielt „Das Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad, Vorlage für den Filmklassiker „Apocalypse Now“.

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