Beinahe ein Monster

betr.: 114. Geburtstag von Cary Grant

Cary Grant war der große Hollywood-Charmeur des frühen Tonfilms. Geboren in England und im Knabenalter mit einem Wanderzirkus in die Staaten übergesetzt, verkörperte er einen eleganten Sex-Appeal, der nichts Draufgängerisches, Gefährliches hatte. Nie sah das Tragen eines gut sitzenden Anzugs so bequem aus, und nie wieder war ein romantischer Leading Man gleichzeitig ein so fähiger Komödiendarsteller. (Man stelle sich Jack Lemmon und George Clooney in einem vor.) Alle dachten, charmanter und witziger ginge es nicht, doch dann wurde Cary Grant 50, und beides steigerte sich noch weiter.
Bereits seine je vier Filme mit Alfred Hitchcock und Howard Hawks machen ihn zu einem der größten Filmstars aller Zeiten, doch insgesamt hatte er einen Hang zu oberflächlicher Unterhaltung. Als ihn eine seiner Ehefrauen einmal fragte, warum er immerzu so seichtes Zeug dreht, forderte er sie auf, sich um ihren eigenen Kram zu kümmern.

In den letzten Jahren hat Cary Grant sich die Kritik seiner Gattin möglicherweise doch zu Herzen genommen, denn er versuchte durchaus, seinem Rollenfach zu entkommen. Sein vorletzter Film zeigt ihn urasiert und speckig als Einsiedler auf seiner Südsee-Insel. Der Film wurde ein Flop.

Phantom-HändeDie Hände eines Charakterdarstellers: das 3. Phantom der Oper bei der Arbeit

Beinahe wäre Cary Gant sogar in einem Horror-Melodram aufgetreten. Nachdem er Interesse bekundet hatte, die Hauptrolle im zweiten Remake von „Phantom Of The Opera“* zu übernehmen, nahm das britische Hammer-Studio ein gewaltiges Budget in die Hand. Das Drehbuch wurde auf Grants Persönlichkeit zugeschnitten und die Morde von der Hauptfigur auf einen separaten Bösewicht verlagert. Das Phantom wurde sanfter und mitfühlender gezeichnet, doch es blieb ein gewalttätiger Stoff. Als Cary Grants Agent die Szene las, in der der Protagonist einem Rattenfänger das Auge aussticht, legte er sein Veto ein, und Herbert Lom übernahm den Part (später der leidgeprüfte Dreyfus in den Clouseau–Klamotten).

Cary Grant starb reich, glücklich und betagt bei blendendem Aussehen, 20 Jahre nachdem er sich ganz freiwillig von der Leinwand zurückgezogen hatte. Sein letzter Film ist – wie sein Biograf Donald Deschner so treffend schrieb – „kein Abschiedsfilm, sondern einfach nur ein Film, nach dem sich kein weiterer Cary-Grant-Film mehr ergibt“.
Es ist übrigens der erste, in dem er sein Mädchen nicht bekommt.

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* Zu den früheren Fassungen siehe https://blog.montyarnold.de/2017/09/21/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-46-phantom-der-oper-2-filmversion/

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