Von Georgia bis Westeros (2) – Musik für „Game Of Thrones“

betr.: Die Wirkung von Filmmusik am Beispiel von „Vom Winde verweht“ und „Game Of Thrones“

Fortsetzung vom 15. Januar

Der attraktive Lebemann Rhett Butler wiederum bemüht sich vergeblich um Scarletts Gunst. (Sie lehnt ihn schon deshalb ab, weil er ihr den Hof macht.)

GWTW_RhettTitelmusik für einen der großen Charmeure der Leinwand: Rhett Butler.

Der Bürgerkrieg verwüstet das Land, Tara und die alte Ordnung. Mr. und Mrs. O‘Hara sind gestorben.

GWTW_Ashley+ScarlettDas Motiv für Scarlett und Ashley weht durch die kurzen, unglücklichen Ehen der Heldin. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Musik dabei hilft, eine Person heraufzubeschwören, die nicht im Bild ist.

Da Ashley noch immer nichts von ihr wissen will, heiratet die mittlerweile zweimal verwitwete Scarlett nach Kriegsende den ungeliebten Rhett. Dieser hofft, die Geburt ihrer Tochter könnte das Familienglück nachträglich erblühen lassen.

GWTW_Rhett+ScarlettEndlich verheiratet: Rhett und Scarlett

Die kleine Bonnie wird von Scarletts altem Kindermädchen Mammy umsorgt, der ersten anspruchsvollen Sympathiefigur mit schwarzer Hautfarbe im amerikanischen Film. Ihr prägnantes Motiv ist wie die Darstellerin Hattie McDaniel: resolut, warmherzig, humorvoll und lebendig.

GWTW_MammyMammys Thema

Bonnie, ebenso trotzig wie ihre Mutter, kommt früh ums Leben. Rhett gibt auf. Erst als er Scarlett verlässt, fühlt sie sich zu ihm hingezogen, doch er hat genug von ihren Capricen und lässt sie voll Verachtung sitzen.
Ihr bleibt nur … Tara (siehe erstes Notenbeispiel).

Dieser kleine Querschnitt ist ein Beispiel für den Unterhaltungswert der musikalischen Portraitstudie im Film. Sie wurde bis in die 60er Jahre hinein gepflegt, auch wenn nicht jedes Figurenensemble so üppig ausgestattet wurde wie das von „Gone With The Wind“. Es gab aber immer zumindest einen signifikanten Main Title, der oft auch den Helden begleitete, eventuell noch ein abweichendes Liebesthema, ein Schurkenthema, ein Fluchtmotiv. Anfang der 50er Jahre bekam die Filmmusik gehörigen Aufwind, als diese Titel mit Text versehen und werbewirksam in die Charts lanciert wurden.*
Heute wird mehr Filmmusik zum Kauf angeboten als je zuvor, doch auf Mitsingen und Wiedererkennen ist sie nicht mehr ausgerichtet.

Die Serie „Game Of Thrones“ war auch im Jahre 2017 die beliebteste, d.h. die häufigsten illegal heruntergeladene Serie im Internet. Schon seit ihrem Start sechs Jahre zuvor wird sie von allen Seiten be- und durchleuchtet. Unzählige Feuilletons und ganze Bücher wurden darüber geschrieben: über Vorbilder und Nachahmungen, Landschaften und Kostüme, den tieferen Sinn der Serie und ihre Grausamkeit. Das einzige, worüber kaum jemand schreibt oder spricht, ist die Musik. Das darf man kurios finden, da das zugrundeliegende Epos doch „Das Lied von Eis und Feuer“ heißt.
Der Komponist der Serie, der Deutsch-Iraner Ramin Djawadi („Prison Break“), ist ein Star, der sogar mit einem GOT-Konzert unterwegs ist. Aber um seine Themen auseinanderzuhalten, bräuchte man wohl so etwas wie das „Harry Potter“-Album.

Wir wollen uns den Spaß machen, den Damen und Recken von Westeros etwas Passendes herauszusuchen, eine Filmmusik, die ihnen wirklich auf den Grund geht und die man mitsummen kann. Das Personal von „Game Of Thrones“ schreit ja geradezu danach. Und sein wir doch mal ehrlich: wir können jede Hilfe brauchen, um bei diesem hochkomplexen Sittengemälde nicht den Überblick zu verlieren. (Sogar George R. R. Martin steigt inzwischen angeblich nicht mehr durch.)
Forts. folgt
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** Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2015/05/10/bitte-nicht-hassen/

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