Appläuse für die Mäuse

betr.: nostalgische Mickymaus-Buchreihe in der „Egmont Comic Collection“

Café Zombo

Bekanntlich ist das ein ziemliches Elend mit dem Älterwerden – nicht nur bei Menschen, auch bei Medien. Comics heißen heute Graphic Novels – sie sind erwachsen geworden. An die Stelle der bunten Heftchen unter Schundverdacht ist das seriöse Hardcover getreten, Fotorealismus auf Glanzpapier gilt als Ausweis besonderer zeichnerischer Qualität.
Nun ist mir eine Comic-Reihe im zeitgemäßen Buchformat begegnet, die mich reinewegs entzückt (und bei der das Papier glücklicherweise nicht glänzt).
In der Egmont Comic Collection erscheint seit dem vorigen Jahr eine Buchreihe, in der verschiedene französische Zeichner und Autoren das Figurenensemble um Micky Maus und Donald Duck in neue Abenteuer stürzen. Es sind Retro-Parodien auf ein Entenhausen, dass so nicht mal auf dem Papier je existiert hat und dass uns doch vollkommen vertraut ist. Die Zeichnungen spielen stilsicher mit groben Rasterpunkten, Gilb-Effekten und dem urzeitlichen Micky-Look (oben ohne, rote Hose), lassen aber dem jeweiligen Zeichner jeden Spielraum. Sie sind offensichtliche Produkte unserer selbstreferenziellen Medienwelt, aber dieser Blick von der Meta-Ebene herunter ist zärtlich und nicht – wie üblich – auf Hohn und Zertrümmerung aus.

Mickey's Craziest Adventures

Wer die Detektivgeschichten um den grundanständigen Mäuserich Herrn Maus aus den „Lustigen Taschenbüchern“ kennt, wird die Anarchie von „Micky’s Craziest Adventures“ (Text: Lewis Trondheim, Zeichnungen: Keramidas) zu schätzen wissen. Der Band „Die jungen Jahre von Micky“ (Text und Zeichnungen: Tebo) ist angekündigt: hier begleiten wir Micky in Rückblenden in den Krieg, den Wilden Westen und den Weltraum. Über all dem liegt eine Schicht der Verklärung, die Mickys Enkel Norbert mit seinem Kindermund immer wieder beiseitefegt.

Auch sonst stimmt einfach alles: Colorierung, Übersetzung, Lettering, Papier. Jetzt fehlt nur noch eine begeisterte Leserschaft, die wahlweise den „Asterix“ bzw. Barks-Reprint bzw. Taschenbuchkrimi kurz beiseitelegt, um sich auf diese(s) Abenteuer einzulassen. Auch ein übergeordneter Titel wäre dem Projekt zu wünschen – er verkürzt den Weg zum Leser ganz erheblich

Erlangen 2018_!cid_06E6B31C-C33C-443A-AEFE-F589C4D3EC68@Speedport_W_723V_1_45_000
Die Serie präsentiert sich auf dem 18. Internationalen Comic-Salon Erlangen.

Dieser Beitrag wurde unter Comic, Medienphilosophie, Popkultur, Rezension abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.