Noch’n komischer Vogel

betr. 24. Todestag von Walter Lantz

Woody Woodpecker war seiner Zeit voraus. Seine charakteristische Lache war in die Titelmusik seiner Cartoons eingearbeitet und wäre heute ein herrlicher Klingelton.

WoodyWoodpecker
Wegen dieser markanten Tonfolge kam es sogar zu einem Rechtsstreit mit dem Stimmkünstler*, der die Lache als erster ausgestoßen hatte. 

Heute erinnert sich kaum noch jemand an den kecken blauen Vogel mit dem Rotschopf – und folglich auch nicht an seinen Schöpfer Walter Lantz.

Der Sohn eines aus Italien eingewanderten Gemüsehändlers hatte nur einen Fernkurs in Zeichnen belegt, als er 1916 in der Trickfilmabteilung von Randolph William Hearst** anfing. 1927 ging er nach Hollywood, wo er für den führenden Produzenten des Sahnetorten-Kinos*** als Gag-Autor arbeitete. Für Universal Pictures durfte er das Trickfilmstudio errichten, das er schließlich zu seinem eigenen Betrieb ausbauen konnte. 1930 produzierte Lantz seinen ersten farbigen Cartoon, die fünfminütige Anfangssequenz für das Musical „The King Of Jazz“.
In den Flitterwochen kam ihm die Idee, die uns heute an ihn denken lässt: frisch verheiratet mit der Schauspielerin Grace Stafford vermieste ein besonders eifriger Grünspecht dem Paar mit seinem Gemorse den Honeymoon am kalifornischen June Lake. Wie auch an anderer Stelle (bei der Schaffung der Mickymaus) war der weibliche Input von Bedeutung. Grace überredete Walter, aus diesem Tier eine Cartoonfigur zu machen und lieh ihr Jahre später sogar die Stimme. 1941 erschien der Specht als Nebenfigur auf der Leinwand – im ersten seiner zuletzt 250 Filme.

Nachdem er mehr 800 Cartoons hergestellt hatte, war Walter Lantz Anfang der 70er Jahre der letzte namhafte Cartoon-Produzent für das Kino; Disney und all die anderen hatten sich mit ihren Trickfilmen längst dem Fernsehen zugewandt. (Freilich war Woody längst auch im Fernsehen zu sehen.) 1972 schloss Walter Lantz sein Studio, um sich um die rechtliche Auswertung seiner Arbeit zu kümmern und sich ehren zu lassen: 1986 erhielt er seinen Stern auf dem „Walk Of Fame“, schon acht Jahre zuvor war er mit einem Ehren-Oscar bedacht worden, weil „er mit seinen einmaligen Zeichentrickfilmen der ganzen Welt Spaß und Gelächter gebracht habe“. „Wir haben Geschichten gemacht, die keine Worte brauchten“, beschrieb Lantz sein Erfolgsrezept. Sie seien nie zeitkritisch gewesen und deshalb nicht veraltet.
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* Siehe auch https://blog.montyarnold.de/2016/07/10/thats-up-doc/
** Siehe auch https://blog.montyarnold.de/2017/11/23/die-schoensten-filme-die-ich-kenne/
*** Siehe auch https://blog.montyarnold.de/2015/11/05/wir-hatten-die-eier-dazu/

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