„No Hollywood movie can do the things to me“*

„Filmreif“ ist ein Kompliment, obwohl Hollywood und seine Produkte seit der Jahrtausendwende mächtig an Zuspruch verloren haben. Zuweilen lässt diese Formulierung tatsächlich einen (unbewusst attestierten) Minderwertigkeitskomplex erkennen.
Beim letzten „Comic-Talk“ mit Hella von Sinnen wurde immer wieder das „Filmische“ an den besprochenen Büchern gelobt, so als sei ein Comic dann besonders geglückt, wenn er vergessen macht, dass er eben nur ein Comic ist und keine mov-Datei. In der Tat sind viele der aktuellen Vertreter der Graphic Novel um einen fotorealistischen Stil bemüht.
Als ich der Unterhaltung zuhörte, wurde mir bewusst, was mir zeichnerisch an meinen Lieblingscomics so viel besser gefällt als an den meisten dieser Arbeiten: sie sind bereits in ihrem Medium angekommen. Sie funktionieren am besten, wenn man sie liest und umblättert.
Immerhin kritisierte Tobi Dahmen in der Talk-Runde die künstlerische Ambition einer Zeichenkunst, der er ständig ansähe, dass sie von Fotos abgemalt sei.

Auch sonst scheint mir der Stift stärker als die Faust des Stuntman. Die „Blockbuster“ des „Marvel Cinematic Universe“ haben zuletzt qualitativ zugelegt. Die Effekte werden besser und besser, und eine schlimme Kinderkrankheit ist einstweilen ausgemerzt: man hat begriffen, dass man sich besser nicht unnötig von der Vorlage entfernt. Der erste Film mit den „Fantastischen Vier“ (2005) machte aus Dr. Doom, dem prächtigsten aller Bösewichter, noch einen schickimickihaften Fiesling – wohl um nicht in den Verdacht zu geraten, bei „Star Wars“ geklaut zu haben (dessen Darth Vader in Wahrheit bei Marvel geklaut ist). Ang Lees beinahe handlungsloser „Hulk“ (2003) nervte uns mit einer unnützen Vaterfigur, das Sequel mit Edward Norton (2008)  war nicht nur besser besetzt, es ging inhaltlich auf einige Ausgaben der klassischen Heftreihe zurück.
Vielleicht hätte ich sogar Freunde an, „Black Panther“, aber ich habe den Comic von Stan Lee und Jack Kirby zu gut vor Augen. Er führte den schwarzen Superhelden im Juli 1966 ein. Die Marvels waren damals in Sicherheit: unverfilmbar vom noch völlig analogen Hollywood. (Für „Batman“ reichte es damals schon.) Comics wurden ohnehin kaum verfilmt. Sie waren l’art pour l’art und kein Vorgeschmack auf irgendetwas anderes. Das bedeutet eine Qualität der Vorlage, gegen die auch „Black Panther“ schwerlich ankommt.

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* Schlager-Refrainzeile von Lesley Hamilton

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