Die schönsten Filme, die ich kenne (63): „Tödliche Entscheidung“

betr.: 8. Todestag von Sidney Lumet

Hinter dem nichtssagenden deutschen Titel „Tödliche Entscheidung“ verbirgt sich ein – zugegeben – unübersetzbares Original: „Before the Devil Knows You’re Dead …“, eine Zeile aus einem irischen Trinkspruch. Der Film wurde als Thriller, als Kammerspiel und als Melodram eingeordnet. Das ist alles richtig, doch zu allererst ist er eine griechische Tragödie.

Wenig verbindet die ungleichen Brüder Hanson so sehr wie ihre Geldsorgen. Der jüngere Hank (Ethan Hawke) –  ein hübscher Totalversager – ist mit dem Unterhalt im Rückstand. Der New Yorker Immobilienmakler Andy (Philip Seymour Hoffman) – ein übergewichtiger Karrierist – hat zur Finanzierung seiner Heroinsucht bei seinem Arbeitgeber Geld unterschlagen. Er überredet Hank zu einem Überfall auf das elterliche Juweliergeschäft, da deren Ware ohnehin versichert und das Ganze völlig ungefährlich sei. Mit einer faulen Ausrede bringt er ihn sogar dazu, den Überfall allein durchführen und dazu eine echt wirkende Spielzeugpistole zu verwenden. Doch Hank ist mit dieser Aktion ebenso überfordert wie mit seinem übrigen Leben und überträgt den Job einem Kleinkriminellen. Leider hat der eine echte Waffe – und Mrs. Hanson auch …

Abgesehen davon, dass Sidney Lumets Abschiedsfilm nicht linear erzählt ist, haben wir es hier mit Konvention in ihrer edelsten und leider aus der Mode gekommenen Form zu tun: mit einer komplexen, aber einleuchtenden Geschichte, die von ihren Schauspielern getragen wird. Die überragende Leistung aller Beteiligten wirkt so unangestrengt und selbstverständlich, dass der „Hollywood Reporter“ sie als „expertly“ („fachmännisch“) rühmte. Albert Finney sieht als Vater Hanson in kürzester Zeit sein gesamtes Leben zu Bruch gehen und wird zum Berserker, als er feststellen muss, wie tief er in die Ursachen der Katastrophe verstrickt ist. Philip Seymour Hoffman holt aus seinem Parade-Rollenfach, dem erbarmungswürdigen Widerling, eine weitere Facette heraus. Als der prahlerische Andy erkennt, dass er sich restlos verzockt hat, zeigt er uns mit einem Glastisch und einer Schüssel Deko-Kieselsteine das denkwürdige Portrait einer gepeinigten Kreatur.

 

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